Nachhaltigkeit in der Energieversorgung: Ökonomische, ökologische und sozial-kulturelle Positionen in Einklang bringen für eine nachhaltige Entwicklung.
Samstag, November 03, 2007
McKinsey und BDI initiativ – Wirtschaft für Klimaschutz
Eine Analyse von Dietmar Helmer zur Studie vom 25.09.2007 von McKinsey, welche im Auftrag von „BDI initiativ – Wirtschaft für Klimaschutz“ erstellt wurde.
Die Politik und die Industrie in Deutschland stellen immer wieder heraus, wie ehrgeizig (Politik) und anspruchsvoll (Industrie) die Ziele der CO2e-Vermeidung sind. 31% Reduzierung bis 2020 gegenüber der Basis von 1990 sind laut BDI gerade so machbar ohne den Standort zu gefährden. Der BDI legt nun eine „umfassende Studie“ vor, die das anspruchsvolle Ziel durch fundamentale wissenschaftliche und betriebswirtschaftliche Analysen untermauern soll.
Die vier Sektoren Gebäude, Industrie, Energie und Transport werden mit ihren Einsparpotenzialen erörtert. Der BDI will aufzeigen, dass Klimaschutz eigentlich nicht viel kosten muss, wenn man nur die richtigen Arbeitsfelder betrachtet. 26% des Sparpotenzials bei CO2e sind ohne Einbuße für Wirtschaftswachstum und Lebensqualität sowie unter Beibehaltung des Kernkraftausstiegs machbar.
Meine Analyse zeigt auf, dass die Bestrebungen des BDI und der Politik weder anspruchsvoll noch ehrgeizig sind.
Für McKinsey-Deutschlandchef Frank Mattern stellt die Untersuchung eine objektive und breit abgesicherte Faktenbasis dar. Er will die Öffentlichkeit glauben machen, dass Objektivität gleichbedeutend mit Unabhängigkeit ist. Wie eindimensional und fokussiert die objektiven Daten der Studie in eine bestimmte Richtung weisen, ist nicht sofort durchschaubar.
Zwei Fakten bilden sich aus der Studie als Tenor heraus: 1. Die Industrie tut bereits alles Notwendige, um dem Klimaschutz zu dienen. 2. Ohne Atomkraft geht es nicht.
Lobbyismus ist ein weites Feld. Für die Studie können wir dankbar sein. Sie zeigt auf, wie der BDI mit Frontmann Jürgen Thumann und die deutsche Industrie denken. Insbesondere rechtfertigt die Studie, warum der Innovationswille der deutschen Energiewirtschaft und der deutschen Autoindustrie so gering ausgeprägt ist.
Vor allem der Industrie sei großer Dank gezollt, dass die Treibhausgasemissionen in Deutschland von 1232Mt im Jahr 1990 auf 1025Mt im Jahr 2004 zurückgegangen sind. Dass der wesentliche Anteil an dieser Reduzierung dem Untergang der DDR-Industrie und DDR-Energiewirtschaft zu verdanken ist, wird dabei selbstverständlich nicht besonders herausgestellt.
Leider ist es der deutschen Industrie nicht möglich, bis 2020 umfangreich den CO2e-Ausstoß zu reduzieren. Bei anhaltendem Wirtschaftswachstum ist allenfalls mit einem konstanten CO2e-Ausstoß zu rechnen. Die Energiewirtschaft kann ebenfalls nur einen geringen Beitrag zur Reduzierung des CO2e-Ausstoßes bis 2030 leisten. Es gibt gemäß der Studie scheinbar nur geringe Einspar- und Effizienzpotenziale.
Die wahren Potenziale der CO2e-Reduzierung liegen angeblich in der Carbon Capture and Storage (CCS)-Technologie, die frühestens ab 2030 nennenswert zur Verfügung steht.
Der Ausbau der erneuerbaren Energien kann dazu führen, dass die Emissionen um 20% gesenkt werden. Die vier Energiemonopole werden an der Änderung des Energiemix möglicherweise nur eine untergeordnete Rolle spielen, wenn man den historisch gewachsenen Anteil der Wasserkraft aus den Berechnungen herausnimmt. Vielleicht werden die Offshore-Windparks den Anteil der EE nennenswert anpassen.
Monopolgewinne bei weitgehend abgeschriebenen Kraftwerken und „windfall profit“ in Milliardenhöhe durch die Einrechnung der kostenlosen CO2-Zertifikate zu Marktpreisen in die Kostenrechnung werden auch in den nächsten Jahren die Partystimmung bei den Energiekonzernen und deren Aktionären nicht verderben, wenn die Politik die Rahmenbedingungen nicht modifiziert.
Nehmen wir die objektiven Zahlen der BDI-Studie und stellen diese in einen anderen Kontext. Wir werden sehen wie „ehrgeizig und anspruchsvoll“ unsere Politik und Industrie tatsächlich sind.
Das Lieblingsbasisjahr der Politik und der Industrie und deren Berater ist das Jahr 1990. Einige erinnern sich noch daran, dass das der Zeitpunkt des Zusammenbruchs der ineffizienten DDR-Energiewirtschaft und der Sozialismusindustrie war. Innerhalb von 5 Jahren konnte der CO2e-Ausstoß in Deutschland ganz wesentlich durch diesen Effekt von 1232Mt im Jahr 1990 auf 1096Mt im Jahr 1995 um 11% reduziert werden.
Nehmen wir als Basisjahr nicht das Kyoto-Jahr 1990, sondern das Jahr 1995, sind die 31% Reduzierung von CO2e bis 2020 unter Berücksichtigung des Energiemix gar nicht mehr so ehrgeizig und anspruchsvoll. Es sind jetzt (von 1096Mt auf 853Mt) nur noch 22% in 25 Jahren. Geht man natürlich davon aus, dass die Zeitreihe nun fünf Jahre kürzer ist und der Einmaleffekt des Niedergangs der sozialistischen Wirtschaftsordnung nicht wiederholbar ist, könnte man auf den Gedanken kommen, dass man sich nun doch ein wenig anstrengen müsste, um die CO2-Ziele zu erreichen.
Für den globalen Klimawandel und den globalen CO2e-Ausstoß sind absolute Zahlen einzelner Staaten zwar wichtig. Für die Ermittlung von Handlungsmöglichkeiten sind aber neben den relativen Zahlen pro Kopf auch die Verursachungsquellen entscheidend. Deutschland ist eines der wenigen Länder, deren Bevölkerung schrumpft. 1995 betrug die Bevölkerung ca. 81,7Mio. In 2020 sind es gem. Angabe der Studie noch ca. 80,7Mio und im Jahr 2030 noch ca. 78,5Mio.
Will man messen, was ein Land tatsächlich für die Reduzierung des CO2e-Ausstoßes tut, muss man den CO2e-Ausstoß pro Kopf betrachten.
Es ist Aufgabe der Weltklimakonferenz der UNO und anderen Weltkongressen, diesen Pro-Kopf-Wert in Korrelationen von z.B. BIP, Produktivität, Effizienz, Außenhandel, Transport u.a. zu setzen, um einen realistischen inneren Wert der CO2-Verursachung zu ermitteln.
Beispielsweise ist zu prüfen, wem man den CO2e-intensiven Abbau von Rohstoffen in Entwicklungsländern zuordnet. Die Nutznießer sind oftmals die Industriestaaten.
Wenn wir uns die Bevölkerung in Deutschland anschauen, stellen wir fest, dass wir 1995 bei 1096Mt und 81,7MioEW relativ 13,4toCO2/pro Kopf verursacht haben und dieser Wert im Jahr 2020 bei der Betrachtung des „Szenario geringe Kosten“ bei 907Mt und 80,7MioEW relativ auf 11,2toCO2/pro Kopf sinkt. So bleiben nur noch ca. 16,4% der anspruchsvollen 31% übrig.
Es ist zu beachten, dass ich genau die gleichen objektiven Zahlen von McKinsey und des BDI als Grundlage nehme. Die Zahlen werden nur in einen anderen Kontext gestellt.
Leider verfüge ich nicht über eine Datenbasis, wie groß die Verlagerungskapazitäten der energieintensiven Industrien und der Energiewirtschaft seit 1990 waren und künftig sein werden. Denn allein durch die Verlagerung von Fabriken und neuen Kraftwerken ins Ausland und die Stilllegung des Betriebes oder die Kraftwerksstilllegung in Deutschland kann die Statistik weiter entsprechend den für die interessierten Kreise notwendigen Anforderungen gestaltet werden.
Niemand möchte Unternehmen daran hindern, neue CCS-Kraftwerke im benachbarten Ausland zu bauen oder z.B. eine Lachgasfabrik in Ägypten. Dass hierbei für die Unternehmen ein Sonderprofit erzielbar ist, da man nun auf einmal Emissionshandelszertifikate erhält, die man verkaufen kann, ist durchaus erstaunlich. Die Tatsache allein, dass eine neue Fabrik gebaut wird, reicht offenbar im Einzelfall schon aus, um Zertifikate zu erhalten. Ob die Fabrik sowieso gebaut worden wäre, weil die Weltwirtschaft wächst, ist hierbei zweitrangig. Ob dadurch tatsächlich alte Produktionsanlagen abgeschaltet werden, die sowieso nicht mehr konkurrenzfähig gewesen wären, scheint niemanden wirklich zu interessieren. Alle Welt wundert sich nur, dass die Emissionen immer weiter zunehmen. Hauptsache der virtuelle Handel mit Zertifikaten treibt seine Blüten. Bezahlen müssen das alles die Verbraucher ohne dass der Nachweis des Nutzens für das Klima erbracht werden muss. Es erscheint mir aber wesentlich, ob durch eine Technologie tatsächlich eine Substitution stattfindet, um für den Sinn des Zertifikatehandels als Beitrag zum Klimaschutz geeignet zu sein. Virtueller Derivatehandel um seiner selbst willen löst nicht die Fragestellungen des Klimawandels.
Es bedarf dringend internationaler Normen, unter welchen Bedingungen man die Zertifikate anerkennt. In 10 Jahren werden 100te Mrd. Dollar/EUR in Zertifikaten gehandelt, weil alle Welt so viel für den Klimawandel tun will. Aber seltsamerweise wird der CO2e-Ausstoß weiter wachsen. Eine wunderbare virtuelle CO2e-Welt entsteht, an der einige „kluge Köpfe“ und Unternehmen sehr viel Geld verdienen; die Umwelt wird aber davon nichts haben.
Direkte Investitionen der Verbraucher werden erschwert, da das verfügbare Einkommen durch derlei Abschöpfungs-Maßnahmen weiter reduziert wird.
Es ist vollkommen unverständlich, dass die Politik zusieht, wie Investmentgesellschaften und Unternehmen das Geschäft mit den Zertifikaten im Namen des Klimawandels ungehemmt ausbauen, aber die Gelder nicht wesentlich für die zukunftsorientierten Technologien konsequent genutzt werden.
Bemerkenswert in der Studie ist zudem, dass McKinsey und der BDI mit aller wissenschaftlichen Macht feststellen, dass der Ölpreis im Jahr 2010 bei 57$ (max63$), im Jahr 2020 bei 52$(max. 68$) und im Jahr 2030 bei 59$ (max. 75$) stehen wird.
Die Investmentbank Goldman Sachs hatte bereits Anfang 2005 (!!) angenommen, dass es bald zu einem Ölpreis von 100$ pro Barrel kommen wird. Der Analyse sind offenkundig alle gefolgt, sodass wir im November 2007 bereits die 90$ deutlich überschritten haben.
Die Schuld dafür sucht jeder Handelnde natürlich beim Anderen. Wir Verbraucher bezahlen. Man testet eben aus, wie lange die Weltkonjunktur das aushält und schöpft ab, was der Markt hergibt. Wir können bezüglich des Öleinkaufs derzeit dankbar sein, dass der Dollar gegenüber dem Euro schwächelt. Sonst hätte die Bevölkerung des Euroraumes sich für den Winter warm anziehen müssen, da die Energiepreise und Spritpreise noch weiter angestiegen wären.
Man beachte, dass der Ölpreis 1996 bei einem Wechselkurs von ca. 1,30 $/EUR (bei 1USD=1,50DEM) bei 20$ lag. Im Jahr 2002 bei einem Wechselkurs von ca. 1,00 $/EUR bei 23$ und Ende 2007 bei einem Wechselkurs von ca. 1,45 $/EUR bei 90$. Wechselkursbereinigt aber ohne Berücksichtigung sonstiger Faktoren stand der Ölpreis pro Barrel demnach 1996 bei ca. 15€, 2002 bei 23€ und Ende 2007 bei 62€. Dieser Umstand wird aus vielerlei Gründen zweifellos Auswirkungen auf die Weltkonjunktur haben.
Kann man in einer solch umfassenden Studie, wie der des BDI wirklich ernsthaft ohne tendenzielle Absichten annehmen, dass wir in 13 Jahren ein Barrel Öl für 66$ (Wechselkurs 1 EUR = 1,2 USD, d.h. für 55€) erhalten, wenn wir heute bereits an Preise von 100$ gewöhnt werden? Eine der Hauptbegründungen für den Anstieg ist doch die hohe, dauerhafte Nachfrage nach Energie weltweit. Gibt es einen Grund, anzunehmen, dass sich die Entwicklungsländer und Schwellenländer nicht weiter zu mehr Wohlstand hin entwickeln? Wohlstandsmehrung bedeutet immer erhöhte Energienachfrage.
Ob diese Nachfrage Häuser sind, Wärme, Strom, Autos, Nahrungsmittel, ob es Produkte wie Kühlschränke, Fernseher, Computer, Telekommunikation, Maschinen, Werkzeuge etc. sind. Alles wird Energie benötigen. Zwar wird es weniger Energie pro erzeugte Einheit sein als heute, aber insgesamt mehr, weil die Einheiten schneller zunehmen, als die Effizienz pro Einheit gesteigert werden kann.
Die Annahme von 66$ für ein Barrel Öl in der Studie von McKinsey und dem BDI ist reiner Zweckoptimismus. Er lässt die neuen Technologien für erneuerbare Energien, neue Motoren, neue Maschinen, neue Werkstoffe, neue Speichermedien und Anstrengungen bei der Verbesserung der Energieeffizienz teurer erscheinen. Besser und ehrlicher wäre die Studie, wenn Sie die gleiche Datenbasis auch auf einem Ölpreis von 100$ und 150§ pro Barrel und bei wenigstens drei verschiedenen Dollarkursen zum Euro aufzeigen würde.
Die Politik und die Bevölkerung hätten so die Möglichkeit festzustellen, dass die Aufwendungen für einen wirksamen Klimaschutz gar nicht so revolutionär teuer sind, wie das neben der Industrie auch die Wissenschaft behauptet. Umwelt hat einen Preis. Lohnkosten, Materialkosten und Transportkosten sind selbstverständliche Bestandteile einer Kalkulation. Allmählich werden die externen Kosten für Umwelt in die betriebswirtschaftliche Kalkulation eingebunden.
Jeder Mensch erwartet einen Lohn für seine Arbeit. Dass die Unternehmen das Bestreben haben, diesen Preis möglichst gering zu halten, ist betriebswirtschaftlich gesehen legitim. Üblicherweise handeln die Beteiligten oder Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände den Lohn aus und einigen sich. Die Umwelt kann nicht für sich sprechen. Das ist Aufgabe der Politik. Da wirtschaftliche Handlungsweisen in einem Teil der Welt negative Folgen in einem anderen Teil der Welt haben können, muss es notwendigerweise einen Preis für diese Auswirkungen geben. Dem Geschädigten ist ein Ausgleich zu bezahlen, selbst und gerade, wenn der Geschädigte nicht unmittelbar Beteiligter des Geschäftes ist. Dieser Ausgleich kann fair letztlich nur durch eine Weltorganisation erreicht werden. Dies können neben Geldtransfers insbesondere Technologietransfers sein.
Derzeit ist man in grundsätzlichen Fragen des Klimawandels und dessen Auswirkungen noch völlig verschiedener Meinung. Man ist schnell bei den „Schuldigen“, wenn oberflächlich argumentiert wird. Dieses komplexe Thema bedarf einer komplexen Analyse. Allerdings taugen Studien, wie die von McKinsey und BDI nur bedingt, um ernsthaft an Lösungen zu arbeiten.
Solange Lobbyisten der Energiewirtschaft und der Industrie die Oberhand bei der Beurteilung dieser Themen und der Gewichtung der Parameter haben, wird es nicht zu weltweiten Reduzierungen von Treibhausgasemissionen kommen.
Wir Menschen in den Wohlfahrtstaaten haben nicht das Recht, den anderen Staaten deren Prosperität zu verwehren, welche wir seit Jahrzehnten genießen. Wir haben aber die Pflicht, mit unseren Technologien schnellstmöglich den Energiewandel zu bereiten, damit die aufstrebenden Staaten nicht erst mit fossilen Brennstoffen und Atomkraft ihren wachsenden Energiehunger befriedigen, sondern direkt in moderne Energie- und Speichertechnik investieren.
Dass wir dabei neue Märkte schaffen, neue Arbeitsplätze nachhaltig sichern und auch wie bisher ordentlich Geld verdienen können, steht nicht im Widerspruch zu einer zukunftsorientierten weltweiten Energieversorgung, die auf Nachhaltigkeit ausgerichtet ist.
Den konsequenten weltweiten Energiewandel hin zu erneuerbaren Energien mit neuen Technologien und neuen Speichermedien bezeichne ich als „vierte industrielle Revolution“.
Genauso wie die „erste industrielle Revolution“ durch die Dampfmaschine, die „zweite industrielle Revolution“ durch die Elektrifizierung und die „dritte industrielle Revolution“ durch Technologien wie die Mikroelektronik, Telekommunikation, Computer, neue Materialien und Biotechnologie die Welt wesentlich verändert hat, so wird der Energiewandel wesentliche Veränderungen hervorbringen.
Die zukünftige Marktwirtschaft wird eine „Nachhaltige Marktwirtschaft“ sein. Wenn wir die Rohstoffe der Erde nachhaltig nutzbar machen, fossile Rohstoffe umweltbewusst nutzen und konsequent auf erneuerbare Energien setzen, werden wir die Treibhausgasemissionen in den nächsten zwei Jahrzehnten zumindest auf dem heutigen Niveau halten können.
Die Studie ist insoweit hilfreich, dass sie uns ein Verständnis für die Denkweisen des BDI und deren Hauptsponsoren und Berater gibt.
Objektiv richtige Zahlen werden aus nachvollziehbaren Gründen in spezielle Zusammenhänge gebracht, um letztlich aufzuzeigen, dass angeblich bereits alles Notwendige getan wird oder zumindest in die Wege geleitet ist. Die Industrie und deren Berater haben alles im Griff. Die Ökonomie soll weiterhin zulasten der Ökologie und der gesellschaftlichen Verantwortung uneingeschränkt dominieren. Die beiden Letzteren sind nur störende Kostenfaktoren bei der Erzielung der derzeitigen Traumrenditen auf das eingesetzte Kapital.
Die Marktwirtschaft macht es möglich, mit dem Klimawandel heute bereits Milliardenprofite zu erzielen, ohne tatsächlich in umfassendem Maße diese Profite in Investitionen zu lenken, die den Klimawandel möglicherweise begrenzen könnten. Bleibt der Umwelt zu wünschen, dass die UNO in der Lage sein wird, das Richtige zu tun.
Sonnige Grüße
Dietmar Helmer
www.buergerstrom.org
Sonntag, September 03, 2006
BDI - Thumann-Worthülsen zum Thema Innovationen
(Kolumne Folge 6)
In der ADAC-Motorwelt 10/2005 schreibt der Präsident des BDI, Herr Jürgen R. Thumann über die Stärke der deutschen Industrie.
„Made in Germany ist weltweit anerkannt….“
Zitat:
„Wir müssen unsere Stärken in Forschung, Technologie und Innovation offensiv ausbauen. Bei vielen dieser Faktoren steht Deutschland immer noch gut da: Man denke an die hohe Zahl der Patente, den innovativen Mittelstand und die Ausbildung der Arbeitskräfte. Die Wirtschaftspolitik der letzten Jahre hat jedoch zu wenig auf Wertschöpfungspotenziale bei wissensbasierten, forschungsintensiven, innovativen Produkten und Dienstleistungen gesetzt.
Nur im Ausbau von Wissensvorsprüngen liegt unsere ökonomische Zukunft. Die Generierung von Ideen und deren Umsetzung in innovative Produkte und Verfahren sind für uns der Schlüssel zur Zukunft. Wir haben nach wie vor enorme wirtschaftliche Zukunftspotenziale, und wir haben alle Chancen, diese Potenziale zu erschließen. Die Politik bleibt aufgefordert, die Rahmenbedingungen hierfür zu setzen, für Wachstum und Beschäftigung sorgen dann die Unternehmer.“ Zitat Ende
Man kann jedem dieser Sätze uneingeschränkt zustimmen. Wenn man das liest, müssten Umweltschützer und Unternehmer eigentlich Hand in Hand gehen und ein glückliches Paar bilden.
Eine der innovativsten Branchen in Deutschland sind die Zukunftstechnologien der regenerativen Energien. Ob z.B. bei Photovoltaik, Windkraft, Geothermie, es finden hier „Quantensprünge“ in der Entwicklung und der Umsetzung in Produkte statt. Nach dem, was Herr Thumann sagt, müsste der BDI uneingeschränkt die Förderung der regenerativen Energien unterstützen. Das Energie-Einspeise-Gesetz (EEG) erfüllt alle Voraussetzungen, um die Aussagen des BDI-Präsidenten in praktische, reale Produkte und Verfahren umzusetzen. Die Bürger sind bereit, hierfür einen Anteil von 3% ihrer jährlichen Stromrechnung, das ist ein halber Cent pro kwp, ca. € 18,-- im Jahr zu bezahlen.
Dennoch versucht der BDI in seinen Positionspapieren (www.bdi-online.de) zum EEG einseitige Industriepolitik der etablierten Unternehmen zu betreiben. Der Staat hatte früher mit hohen Subventionen die alten Industrien jahrzehntelang unterstützt, sei es bei Werften, Kohle oder Stahl. Der Staat hat durch das EEG erreicht, dass keine Subventionen fließen müssen, sondern die Bürger über den Strompreis die Innovationen und Techniken der Zukunft mitbezahlen. Niemand hätte was dagegen, wenn die Industrie dies selbst massiv tun würde.
Durch das EEG fließt das Geld aber nicht zu den Stromkonzernen, sondern in die Taschen der Bürger, die solche Anlagen bauen. Die Marktwirtschaft hat nun mal die Eigenschaft, dass bei technologischem Wandel neue Wettbewerber auf den Markt treten, wenn die bisherigen Unternehmen sich nicht mitwandeln.
Wir müssen das Wissenspotential schöpfen, Innovationen fordern und fördern.
Wenn in den nächsten Jahren hunderttausende von Bürger-Unternehmern als Marktteilnehmer auftreten, die gar keinen Strom mehr von der Industrie brauchen, ist das in den Augen des BDI und der interessierten Industriekreise wie das Öffnen der „Büchse der Pandora“. Man sollte Verständnis haben, wenn die Stromkonzerne Angst davor haben. Strom, den man nicht selbst verkaufen kann, bringt keinen Gewinn.
Energie ist aber nicht nur ein rein ökonomisches Thema. Wie Energie erzeugt wird, ist für die Menschheit eine zentrale Frage aus ökologischer und sozialer Sicht. Nachhaltige Marktwirtschaft wird eine zentrale Aufgabe moderner Politik sein.
Diese Kolumne (Folge 6) wurde für das Bürgerprojekt Photovoltaik von Dietmar Helmer geschrieben.
Donnerstag, Juni 15, 2006
CO2-Emissionen einsparen mit Bürgerstrom
(Kolumne Folge 4)
Wie soll ich als Einzelner denn etwas gegen den Klimawandel ausrichten können? Die Politiker, die Unternehmer, die Reichen sollen mal anfangen.
Es ist nachvollziehbar, dass sich der Einzelne hilflos fühlt, wenn man die Szenarien der Wissenschaftler liest. Aber jeder von Ihnen kann etwas tun, ohne auf den anderen Schauen zu müssen.
Sie hatten erfahren, dass jeder Bundesbürger 10,14 t CO2/a/K produziert, indem die Kraftwerke, die Industrie, der Verkehr und die Haushalte als Gesamtheit diesen Ausstoß verursachen (http://www.iea.org/).
Das ist unser Lebensstandard, den wir uns erarbeitet haben und den wir genießen. Gehen Sie davon aus, dass der Rest der Welt diesen Standard auch anstrebt. Oder wollen Sie den ca. 6 Mrd. anderen Menschen verwehren, so zu leben wie Sie?
Deshalb ist gerade das Thema Photovoltaik so prickelnd. Bei dem derzeitigen Strommix produziert man bei der Herstellung 1 kwh elektrischer Leistung 600g CO2. Bei der Herstellung 1 kwh elektrischer Leistung aus Photovoltaik werden nur 100g CO2 produziert. (Arbeitsgemeinschaft DLR/IFEU/WI, Bericht für das BMU) (http://www.erneuerbare-energien.de/) Somit kann jeder Bürger durch den Solarstrom 500g/ CO2/kwhel einsparen.
Als 4-Personen-Haushalt verbrauchen Sie ca. 4.000kwh Strom. Sie können 500g CO2/kwh einsparen, wenn Sie Solarstrom verwenden, d.h. 2 t/a CO2 Ersparnis pro Haushalt. Das ist doch ein Anfang.
Die Leistung einer Solaranlage wird in kwp gemessen. In unseren Breitengraden ist damit eine Stromernte von 1.000kwh/a nicht unwahrscheinlich. Mit 4 kwp, die derzeit etwa € 22.000 kosten, die Sie sagen wir, zu 3/4 fremd finanzieren, können Sie das Dach eines Einfamilienhauses bedecken. Durch das EEG (http://www.erneuerbare-energien.de/inhalt/5982/) kann eine solche Anlage wirtschaftlich betrieben werden.
Ein Single, der ca. 1.300kwh/a Strom braucht, kann sich mit einem Betrag von ca. € 7.000 nahezu emissionsfrei beim Stromverbrauch machen. Und das, ohne auf etwas verzichten zu müssen. Folgt man der Lernkurventheorie, dass bei Steigerung der Produktion die Kosten pro Einheit fallen, dann werden wir erleben, dass durch den massenhaften Ausbau der Photovoltaik, die Preise in 10 Jahren bei weniger als der Hälfte von heute liegen werden. Noch mal 10 Jahre weiter wird es noch günstiger sein.
So einfach kann Energiewandel sein. Sagen Sie nicht, dass das nicht möglich ist. Wir Deutschen sparen fleißig. Allein 2003 wurden € 151,3 Mrd. gespart (Gesamtgeldvermögen € 3.922 Mrd.) (http://www.bvr.de/public.nsf/index.html?ReadForm)
Diese Kolumne (Folge 4) wurde für das Bürgerprojekt Photovoltaik von Dietmar Helmer geschrieben.
Donnerstag, Januar 26, 2006
Ist die weltweite Energieversorgung im Wesentlichen durch erneuerbare Energien möglich?
Bürgerprojekt Photovoltaik
(Kolumne Folge 3)
Wir hören immer wieder das Argument: Energiegewinnung nur durch erneuerbare Energien ist gar nicht möglich, weil die Sonne nicht immer scheint, der Wind nicht immer weht, das Wasser nicht immer fließt usw. Was ist dran an dem scheinbar logischen Argument?
Der Energieverbrauch der Menschheit hat im Jahr 2000 insgesamt 423 ExaJoule (EJ) betragen. Das sind umgerechnet 117.500.000.000.000kwh (1kwh = 3.600kJ)
Laut Brockhaus-Enzyklopädie entspricht die nutzbare Sonneneinstrahlung auf die Erde dem 5.800fachen dieses Weltenergieverbrauchs. Warum soll der Verstand des Menschen nicht ausreichen, die Sonnenenergie mit einem Anteil von nur ca. 0,018% nutzbar zu machen?
Das Hauptproblem ist nicht, dass man genug Energie regenerativ gewinnen kann, sondern wie man es schafft, diese Energie ausreichend verfügbar zu haben. Vieles ist heute noch nicht machbar. Denkt man kurzfristig, lässt man es dabei und zählt auf das Bewährte. Lassen Sie die Phantasie etwas schweifen, selbst wenn diese Vorstellung ihre persönliche Lebensphase überschreitet.
Nehmen wir einfach mal an, dass die UNO sich dazu hinreißen lässt, mit der Energiefrage energischer umzugehen. Ein gut gemeinter Anfang ist das Kyoto-Protokoll (http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/info service/download/pdf/dokumente/kyoto protokoll.pdf).
Kein anderes Thema ist besser zur Globalisierung geeignet für die Staatengemeinschaft der Welt, wie das Energiethema. Unwetter, Überflutungen, Dürren, Veränderungen des Meeresspiegels, Hurrikans, Tsunamis, Wassermangel, Energiemangel: kein Staat der Erde wird dauerhaft von einem dieser Ereignisse verschont bleiben. Selbst wenn es jemanden nicht direkt trifft. Spätestens über den Preis bei Energie wird er die Veränderungen doch zu spüren bekommen.
Die Staaten verpflichten sich z.B. zu Auflagen im Bau, dass die Dächer für Photovoltaikanlagen und Solarkollektoren zur Verfügung stehen müssen, Fenster und Glasfassaden werden als nanobeschichtete Solarzellen genutzt. Wärmeisolierende Fassadenanstriche reduzieren den Heizungsverbrauch. Erdnahe geothermische Nutzung sorgt für einen hohen Anteil der Haus-wärmeversorgung. Durch Blockheizkraftwerke werden Energie-ströme gekoppelt. Nachwachsende Rohstoffe sorgen als Biodiesel für CO2-neutralen Kraftstoff in Autos. Neben diesen dezentralen Einheiten sorgen großtechnische Geothermie-Kraftwerke im Leistungswert heutiger Kohlekraftwerke für die Grunddeckung. Daneben schaffen Gezeitenkraftwerke und großtechnische Windkraftwerke Unabhängigkeit von Öl, Kohle, Gas und Uran.
Warum stört sich heute jemand daran, dass wir in 50 Jahren vielleicht 90% des Gesamtweltenergieverbrauchs regenerativ herstellen?
In diesem Jahr sind die Energiepreise um 176 €/a gestiegen. Durch das Energie-Einspeise-Gesetz (EEG) sind die Haushalte in Deutschland verpflichtet, gerade einmal 3%, das sind 18 €/a, für die Entwicklung der regenerativen Energien zu bezahlen.
Der Preisanstieg ist im Wesentlichen durch die weltweit ständig steigende Nachfrage nach Energie und die Unwetter verursacht. Wer glaubt, dass diese beiden Faktoren dauerhaft zurückgehen werden? Allein schon deshalb brauchen wir neue Technologien, um die Abhängigkeit unserer Lebensweise von den Produzenten und Lieferanten zu reduzieren.
Diese Kolumne (Folge 3) wird mit freundlicher Unterstützung des Bürgerprojekt Photovoltaik von Dietmar Helmer gestaltet.
Samstag, Januar 07, 2006
CO2-Emissionen pro Einwohner und Energiewandel
Bürgerprojekt Photovoltaik
(Kolumne Folge 2)
Der „Hunger“ nach Energie und die Wachstumsraten allein von Ländern wie China und Indien machen es erforderlich, der Frage ernsthaft nachzugehen, wie man wenigstens einen erhöhten Ausstoß des klima-schädlichen Gases CO2 in den nächsten 20 Jahren vermeidet.
In der Deklaration von RIO aus dem Jahre 1992 wird in diesem Zusammenhang von der nachhaltigen Entwicklung gesprochen:
Prinzip 3: Das Recht auf Entwicklung muss so wahrgenommen werden, dass die Bedürfnisse heutiger und künftiger Generationen sowohl nach Entwicklung wie nach dem Schutz der Umwelt erfüllt werden.
Prinzip 11: Die Staaten müssen eine wirksame Umweltschutzgesetzgebung erlassen…
Prinzip 25: Frieden, Entwicklung und Umweltschutz hängen voneinander ab und sind unteilbar.
Die Einwohner Europas + USA verursachten im Jahr 2000 bei 757 Mio Einwohnern (Harenberg aktuell 2005) Gesamtemissionen von
10.067 Mio t CO2/a, d.h. 13,30 t CO2/a/K (http://www.iea.org/).
China und Indien mit 2.306 Mio Einwohnern hatten Gesamtemissionen von 3.851 Mio t CO2/a, d.h. 1,67 t CO2/a/K.
Selbst wenn wir in Europa/USA in den nächsten 25-30 Jahren 50% dieser Emissionen reduzieren können, d.h. auf 6,65t CO2/a/K, wird bei nur einer Verdreifachung der Emissionen in China/Indien allein, der weltweite CO2-Ausstoß um ca. 19% zunehmen, wenn der heutige Energiemix Standard bleiben sollte.
Wir wissen, dass wir weltweit einen enormen Bedarf an mehr Energie haben werden. Somit stellt sich nur die Frage, wie wir diesen Bedarf decken werden. Um nachhaltige Entwicklung zu fördern, sollte man wenigstens die Forderungen der EU anerkennen wollen, in den nächsten Jahren den europäischen Energiebedarf erheblich aus erneuerbaren Energien zu gewinnen. Beim Strombedarf z.B. bis 2010 zu 21%.(http://www.erneuerbare-energien.de/inhalt/5890/20073/#4) (http://www.erneuerbare-energien.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/kom_anteil_ee_eu.pdf)
Das Wachstumspotential an Arbeitsplätzen kann gar nicht hoch genug bewertet werden. Denn wenn Europa und insbesondere auch Deutschland Technologieführer in diesen Schlüsseltechnologien sein wird, können wir durch moderne Arbeitsplätze der Zukunft auch bei uns nachhaltige Arbeitsplätze schaffen.
Ökonomisches Denken lässt sich hervorragend mit ökologischen Handlungsweisen verbinden.Durch neue Energietechnologien können sich auch die Entwicklungsländer unabhängiger entfalten. Freier Zugang zu Energie mit bezahlbaren Preisen ist ein wesentliches Element der sozialen Entwicklung in vielen Staaten der Welt.
Ganz aktuell hat der WWF am 04.10.05 eine Studie veröffentlicht (http://www.wwf.de/presse/pressearchiv/artikel/02698/index.html) aus der ersichtlich ist, wo die 30 größten CO2 - Produzenten Europas sind. Ernüchternd ist, dass 9 der 30 größten Umweltverschmutzer aus Deutschland kommen. Eine Detaillandkarte zeigt die Standorte der Kraftwerke und die Emissionswerte.
Diese Kolumne (Folge 2) wird mit freundlicher Unterstützung des Bürgerprojekt Photovoltaik von Dietmar Helmer gestaltet.