Mittwoch, Juli 02, 2008

 

Heiße Preise - Rohölpreise auf der Reise - Energiewandel jetzt! - Nachhaltige Marktwirtschaft als Zukunftsmodell.

Die Neugier steht immer an erster Stelle eines Problems,
das gelöst werden will. (Galileo Galilei)

Dem Anwenden muss das Erkennen vorausgehen. (Max Planck)

Manche sprechen von einem Monster, das wir nicht sehen können und das dennoch da sein soll. Es werden Fragen gestellt wie: „Wer ist schuld am hohen Ölpreis?“ Je nach Interessenlage lautet die Antwort: die Spekulanten, die Ölförderstaaten, die Energiekonzerne, die Staaten, welche das Öl (Benzin u.a.) zu hoch besteuern oder auch die Staats-, Investment-, Hedgefonds oder andere anonyme Organisationen.

Die Zeitungen werden voll geschrieben mit Überlegungen, wie man den Ölpreis wieder deutlich reduzieren kann. Politiker wetteifern miteinander, Energie durch Reduzierung von Steuern oder der Einführung von Sozialtarifen billiger zu machen. Das ist zwar wahlkampftauglich, grenzt aber marktwirtschaftlich und fiskalpolitisch eher an groben Unfug. Es blendet die Tatsache aus, dass fossile Energieträger zukünftig nicht mehr so günstig wie in der Vergangenheit angeboten werden.

Anstatt konsequent Anreize für den Energiewandel und die neuen Energietechnologien zu schaffen, werden banale Preisdiskussionen geführt. Ich bin da pragmatischer: Die hohen Preise führen dazu, dass die Verbraucher endlich effizientere und sparsamere Produkte nachfragen und über Änderungsstrategien in ihrem Energieverhalten nachdenken. Mit etwas Verzögerung werden auch die Politiker und die Wirtschaft dem Trend folgen und nachhaltige Politik- bzw. Angebotsstrategien entwickeln.

Was die Umweltbewegung in 30 Jahren ökologisch-moralisch-ethischer Appelle nicht geschafft hat, erreichte die Ökonomie in nur drei Jahren. Und wir sind erst am Anfang der Preisspirale! Im Jahr 2005 hatte die Investmentbank Goldman Sachs einen Ölpreis von 100$ prognostiziert. Damals lag der Ölpreis bei 50-60$*. Dass das Etappenziel bereits zwei Jahre später erreicht würde, hatten auch die hoffnungsfrohsten Spekulanten nicht annehmen dürfen.Im Januar 2008 prognostizierte Claudia Kemfert vom DIW einen Ölpreis von 150$ in fünf und von 200$ in 10 Jahren. Auch für das DIW war es wohl außerhalb der Vorstellung, dass die fünf Jahre auf 5 Monate schrumpfen könnten. Der nächste Taktgeber mit einem Preis von 300$ bis 2015 war im Juni 2008 das französische Ölinstitut IFP. Im gleichen Monat legte der OPEC-Präsident Chakib Khelil noch einen 100$-Schein drauf und kann sich auch 400$ pro Barrel Öl vorstellen. Für dieses Jahr prognostizierte er bis zu 170$ und für das Jahr 2009 könnten es bereits 250$ sein.

In den Medien geben sich Politik und Wirtschaft „geschockt“, ob der Gefahren des hohen Ölpreises. Rezession, Inflation, Stagflation – das ganze Repertoire der Möglichkeiten wird angeführt. Angst und Unsicherheit, vermengt mit steigender Nachfrage, ist ein Garant für steigende Preise.Und sie werden steigen – garantiert!! Selbst wenn wir im Jahr 2009 in eine weltweite Rezession abgleiten sollten und die Nachfrage nach Öl deswegen vorübergehend reduziert wird, bleibt der Trend unumstößlich erhalten.

Sind denn die genannten Zahlen wirklich so unglaublich hoch? Seitdem die Themen Klimawandel und nachhaltige Entwicklung auch Tagesgespräch in ökonomischen Kreisen wurden, sind den spekulativen Trieben aller Akteure Tür und Tor geöffnet. Deren Argumentationsketten sind mit einer tiefen Logik durchtränkt, um die Preistreibereien scheinbar plausibel zu erklären. Es gibt nur Gewinner in dem Preisspiel – außer natürlich dem Verbraucher, der den Preis zahlen muss, um sein Grundbedürfnis nach Energie zu befriedigen.

Wir wissen spätestens seit den 70er Jahren durch den Bericht des „Club of Rome“, dass Öl ein begrenztes Gut ist. Nachdem sich in den letzten Jahren die Thesen der Peak-Oil-Theorie nachweislich bestätigen, sind wir jetzt am Zenit der Globalölförderung angekommen. Als erster Konzern hat der französische Ölmulti Total anerkannt, dass der Peak-Oil-Punkt erreicht ist. Natürlich wissen die anderen Konzerne auch, was die „Jahre beim Öl geschlagen“ haben. Allerdings scheint dort niemand wirklich traurig über den Zustand zu sein. Lässt sich doch mit dem Rohstoff Öl (und Gas und all den anderen Rohstoffen) derzeit unglaublich viel Geld verdienen. Die goldumrandeten Bilanzen der Energiemultis, der Ölförderstaaten, der Fonds sprechen Bände.
Derzeit - im Juni 2008 - liegt der Ölpreis bei 135$. 2004 lag der Preis bei 40$. Das ist eine Steigerung um 240% in 4,5 Jahren. Selbst wenn wir ein halbes Jahr zurückgehen, spekulativen Druck auf 90$ herausnehmen, beträgt die Steigerung immer noch 125%.
Heute wären wir alle glücklich, wenn der Ölpreis bei „nur“ 90$ liegen würde. So schnell kann man sich gewöhnen an einen Preisanstieg von 40$ auf 90$ in nur 4 Jahren.
Wir sehen, dass in den letzten Jahren die Marktmechanismen zugunsten der Profiteure bestens genutzt wurden. Die Themen Ökologie und Klimawandel werden missbraucht, um die Preissteigerungen zu legitimieren.

Blicken wir auf einem Zeitstrahl von 4 bzw. 7 bzw. 12 Jahren und einem Anfangsölpreis von 90$ bzw. 135$ gemeinsam in die Zukunft eines möglichen Ölpreises von 200$ bzw. 300$ bzw. 400$. Wir werden schnell erkennen, dass die genannten Zahlen nicht einer Kaffeesatzleserei oder irgendwelchen Verschwörungstheorien entstammen, sondern nüchterne Zinseszinsrechnung ist. Bereinigungseffekte, wie Inflation und Wechselkursschwankungen kann man unberücksichtigt lassen, weil Sie die Zielaussage im Kern nicht wirklich beeinflussen.

von x$ auf y$ in 4 Jahren in 7 Jahren in 12 Jahren
von 90 auf 200 22% 12% 7% (jährliche Steigerung in %)
von 135 auf 200 10% 6% 3%
von 90 auf 300 35% 19% 11%
von 135 auf 300 22% 12% 7%
von 90 auf 400 45% 24% 13%
von 135 auf 400 31% 17% 10%

Die %-Werte in der Tabelle wurden der Übersichtlichkeit wegen auf ganze Zahlen gerundet. *Alle Angaben über Preise, Prozente, Tage, Monate und Jahre im Artikel sind als ca. Werte zu betrachten.

Wenn wir beispielsweise von heute 135$ pro Barrel Öl (= 159 l pro Fass) ausgehen und annehmen, dass der Ölpreis in 12 Jahren 200$ beträgt, dann entspräche dies einer jährlichen Steigerung von nur 3%. Bei der Annahme einer dauerhaft einstelligen Steigerungsrate dieser Größenordnung bekommen die meisten Analysten und Fondsmanager sofort einen Herzinfarkt. Nehmen wir an, dass im Rahmen einer möglichen Rezession in 2009 der Ölpreis auf 90$ zurückfällt, dann würde dies bei einem Preis von 200$ in 12 Jahren einer Steigerung von 7% p.a. entsprechen. Das würde immer noch zu Magengeschwüren bei den Profitjägern führen. „Da steckt keine Musik drin.“ Selbst ein Szenario zum Basispreis 90$ und einer Hausse auf 400$ in 12 Jahren bringt „nur“ eine Steigerung von 13% p.a. Das ist noch immer weit weg von den Steigerungsraten der letzten 4,5 Jahre.

Sehr geehrte Konsumenten, machen Sie sich bewusst, dass das Zeitalter der billigen fossilen Energieträger endgültig vorbei ist. Da der Energiehunger weltweit zunehmen wird, kann es auf einem Markt der begrenzten Güter nur einen Trend geben – nach oben. Selbst rezessionsbedingte Rückschläge in den Preisen werden den langfristigen Trend nicht aufhalten. Erst wenn es echten Wettbewerb mit alternativen Energieträgern gibt, wie durch den konsequenten Einsatz erneuerbarer Energien mit all seinen Möglichkeiten, kann dieser Trend für die fossilen Rohstoffe langfristig möglicherweise durchbrochen werden.
Wenn wir nicht mehr auf die fossilen Brennstoffe als Grundversorgung für Strom, Wärme und Kraftstoffe angewiesen sein werden, können sich neue Marktpreise einpendeln. Als Verbraucher haben Sie künftig sogar selbst die Möglichkeit (z.B. durch ein Bürgerprojekt Bürgerstrom) zum Investor oder Unternehmer zu werden und eigenverantwortlich ihre Energieversorgung zusammen mit anderen interessierten Menschen vor Ort zu organisieren.

Auch im amerikanischen Wahlkampf ist das Thema Öl angekommen - mit möglicherweise dramatischen Folgen für die Umwelt. Der US-Präsidentschaftsbewerber John McCain und der derzeitige US-Präsident George W. Bush sind bereit, für „psychologische Auswirkungen“ auf den geplagten Verbraucher, große Naturschutzgebiete vor den Küsten Amerikas und in Alaska für die Ölförderung freizugeben (Spiegel-online vom 26.06.2008).
Als Argument wird angeführt, mit dem inländisch geförderten Öl die Benzinpreise senken zu können. Wie Öl, das erst in 15-20 Jahren gefördert würde, die Preise von heute dauerhaft senken kann, bleibt das Geheimnis der Wahlkämpfer. Was allerdings klar ist, ist die Tatsache, dass die Taschen der amerikanischen Ölmultis in 15-20 Jahren bei denkbaren Ölpreisen von 500$ und mehr, die Bilanzen nicht mehr nur vergolden werden. Bei einem Preis von heute 90$ (135$) erreicht man die 500$ in 20 Jahren bei einer jährlichen Steigerung von bereits 9% (7%). Sie sehen, dass die Republikaner sich wenigstens in dieser Hinsicht sehr für Nachhaltigkeit einsetzen.
Machen wir uns bewusst, dass für die mutmaßlich 18 Milliarden Barrel Öl, die in diesen Naturschutzgebieten liegen, der Raubbau an der Natur weitergetrieben wird. Die derzeit bekannten und förderfähigen weltweiten Ölreserven werden mit 1.248 Milliarden Barrel angegeben (Handelsblatt vom 18.06.2008). Die Republikaner sind bereit, wegen nur 1,5% der Ölreserven, ihre Naturschutzgebiete zu opfern. Die USA verbrauchen pro Tag 20,7 Millionen Barrel Öl. In 870 Tagen wären die neuen Ölquellen ausgebeutet. Bei einer angenommenen inländischen US-Förderung von 8 Millionen Barrel pro Tag, wären die Reserven in 2250 Tagen verbraucht. Für 6 Jahre Zeitgewinn ist der Preis sehr hoch, den die Menschheit und die Umwelt für diesen Egoismus zahlen müssten. Wer soll denn ernsthaft glauben, dass dieser kurze Zeitraum nachhaltig Preis dämpfend wirkt?

Wir können aber an diesem Beispiel sehen, wie verzweifelt und hilflos die Politik auf die Herausforderung des Klimawandels reagiert. Die Ölförderung (Gas-, Kohle-) muss in dieser Logik weiter gehen - koste es, was es wolle. Eine CO2-Vermeidungsstrategie kann ich hierin nicht erkennen.

Eine Studie von McKinsey vom 25.09.2007, welche im Auftrag von „BDI initiativ – Wirtschaft für Klimaschutz“ erstellt wurde, sollte aufzeigen, wie unwirtschaftlich der Energiewandel durch erneuerbare Energien und technologischen Fortschritt sei. In einer Analyse zur Studie, habe ich die vom Lobbyismus gesteuerten Argumente des BDI aufgearbeitet. Hierbei war mir u.a. aufgefallen, dass McKinsey und der BDI mit aller wissenschaftlichen Macht feststellen ließen, dass der Ölpreis im Jahr 2010 bei 57$ (max. 63$), im Jahr 2020 bei 52$ (max. 68$) und im Jahr 2030 bei 59$ (max. 75$) stehen wird.
Diese „Studie“ ist somit bereits nach wenigen Monaten in der (Öl-)Tonne der Lobbyismus-Märchen versunken.

Wir kommen schneller wie erwartet an den Punkt, dass wir über den ökologischen Wandel der Weltwirtschaft nicht mehr als Wachstumsbremse sprechen. Wir reden darüber, wie die erneuerbaren Energien und die sich daraus ergebenden neuen Technologien als Wachstumsmotor die Weltwirtschaft beflügeln.

Mich beunruhigt nicht die Tatsache, dass die Ölpreise (Energiepreise) in dieser Geschwindigkeit steigen. Diese Entwicklung war und ist in Prozessen der globalen, wachstumsorientierten, ungezügelten Marktwirtschaft bei knappen, endlichen Gütern logisch konsequent implementiert.

Mich beunruhigt die Tatsache, dass die Politik nicht schon längst die richtigen Fragen stellt und auf diese Fragen lösungsorientierte Antworten gibt. Dies liegt vor allem daran, dass die Politik selbst Bestandteil des Problems ist. Zitat von Albert Einstein: „Probleme kann man niemals mit der gleichen Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ Wie im ersten Absatz dieses Artikels bereits benannt, gibt es verschiedene Interessenkartelle zur Erhaltung der bestehenden Strukturen. Alle diese Kartelle verdienen sehr viel Geld mit der etablierten Form der Energiegewinnung, Energieproduktion und Energieverteilung. Die Transformation zu einer neuen Art und Weise der künftigen Energieversorgung ist „eine wirklich gute Idee, deren Verwirklichung von vorne herein ausgeschlossen scheint.“ (in Anlehnung an ein Zitat von Albert Einstein)

Nachhaltige Marktwirtschaft wird nicht von Spekulanten und der (Oligopol-) Monopolwirtschaft vorangebracht, aber diese Akteure schaffen durch ihr zwanghaftes Verhalten der Gewinnmaximierung die Voraussetzung, dass eine Veränderung zur Nachhaltigkeit (Nachhaltige Entwicklung – sustainable development) im Sinne der Deklaration von Rio aus dem Jahre 1992 möglich wird.
Die Energiefrage ist das erste wirklich globale Thema, das die Chance zur Gleichberechtigung von Ökonomie, Ökologie und sozialer Verantwortung eröffnet - zum Wohle der heutigen und der künftigen Generationen und der Umwelt.

Es ist nicht genug, zu wissen, man muss auch anwenden.Es ist nicht genug, zu wollen, man muss auch tun (Johann Wolfgang von Goethe)

Dietmar Helmer
http://www.buergerstrom.org/

Sonntag, Dezember 02, 2007

 

IPCC - Klimabericht - Teil 1, 2, 3, 4 - 2007 - Klimawandel - Energiewandel

IPCC - 4. Sachstandsbericht zur Klimaänderung
Stand: 17.11.2007
Klimaschutz
[/english/climate/current/doc/print/39764.php]
IPCC legt 4. Sachstandsbericht zur Klimaänderung vor
Übersicht über die Berichte der Arbeitsgruppen
Der Einfluss des Menschen auf das Klima ist wissenschaftlicher Fakt. Dies verdeutlicht der 4. Sachstandsbericht der Zwischenstaatlichen Sachverständigengruppe für Klimaänderungen (IPCC) der in verschiedenen Arbeitsgruppen seit Februar 2007 vorgestellt wird. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse dieses Weltklimarates, der unter dem Dach der Vereinten Nationen arbeitet, sind eine entscheidende Grundlage für die notwendige Klimapolitik auf internationaler Ebene, der Europäischen Union und Deutschlands. Nur wenn die Erkenntnisse der internationalen Wissenschaftsgemeinschaft in den politischen Prozess einfließen und die Empfehlungen umgesetzt werden, kann eine Reduzierung des Klimawandels auf ein für die Gesellschaft beherrsch-bares Maß reduziert werden.
Der vierte IPCC-Sachstandsbericht besteht aus drei Teilbänden:

Arbeitsgruppe I
Kurzzusammenfassung [/klimaschutz/downloads/doc/print/38650.php]: Wissenschaftliche Grundlagen
Zusammenfassung [/klimaschutz/downloads/doc/print/39255.php] für politische Entscheidungsträger
Pressemitteilung vom 02.02.2007 [/pressemitteilungen/aktuelle_pressemitteilungen/pm/print/38639.php]: Forscher legen internationalen IPCC-Bericht zum Klimawandel vor
Artikel aus der Zeitschrift Umwelt (03/2007)


Arbeitsgruppe II
Kurzzusammenfassung [/klimaschutz/downloads/doc/print/39118.php]: Auswirkungen, Anpassungsstrategien, Verwundbarkeiten
Zusammenfassung [/klimaschutz/downloads/doc/print/39828.php] für politische Entscheidungsträger
Pressemitteilung vom 06.04.2007 [/pressemitteilungen/aktuelle_pressemitteilungen/pm/print/39117.php]: Gabriel: Wir brauchen eine ehrgeizige Klimapolitik
Artikel aus der Zeitschrift Umwelt (05/2007)


Arbeitsgruppe III
Kurzzusammenfassung [/klimaschutz/downloads/doc/print/39281.php]: Verminderung des Klimawandels
Zusammenfassung [/klimaschutz/downloads/doc/print/39829.php] für politische Entscheidungsträger
Pressemitteilung vom 04.05.2007 [/pressemitteilungen/aktuelle_pressemitteilungen/pm/print/39271.php]: Sigmar Gabriel: Die Technologien zum Klimaschutz stehen bereit, jetzt muss gehandelt werden


Synthesebericht:
Kernaussagen [/klimaschutz/downloads/doc/print/40390.php] des Syntheseberichts zum 4. Sachstandsbericht
Pressemitteilung vom 17.11.2007 [/pressemitteilungen/aktuelle_pressemitteilungen/pm/print/40389.php]: Mehr Grund zur Sorge denn je - Weltklimarat verabschiedet Zusammenfassung
Der gesamte 4. Sachstandsbericht wird eine wichtige Grundlage für die Verhandlungen zur Fortentwicklung der Klimarahmenkonvention und des Kyoto-Protokolls, die im Dezember 2007 in Bali fortgeführt werden.
Weitere Informationen:
Hintergrundinfo [/klimaschutz/internationale_klimapolitik/doc/print/39852.php]: 4. Sachstandsbericht des IPCC
Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger [/klimaschutz/internationale_klimapolitik/ipcc/doc/print/39833.php]: Klimaänderung 2007
Pressemitteilung vom 06.04.2007 [/pressemitteilungen/aktuelle_pressemitteilungen/pm/print/39117.php]: Gabriel: Wir brauchen eine ehrgeizige Klimapolitik - Bundesumweltminister zum neuen IPCC-Bericht
Pressemitteilung vom 02.02.2007 [/pressemitteilungen/aktuelle_pressemitteilungen/pm/print/38639.php]: Forscher legen internationalen IPCC-Bericht zum Klimawandel vor
http://www.ipcc.ch/ [http://www.ipcc.ch]: Internetseite des IPCC
http://www.de-ipcc.de/ [http://www.de-ipcc.de]: Deutsche IPCC-Koordinierungsstelle
Quelle: http://www.bmu.de/klimaschutz/internationale_klimapolitik/ipcc/doc/39274.phpAusdruck vom 02.12.2007, 19:16:37 Uhr© Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) //

Sonnige Grüße
Bürgerprojekt Photovoltaik - Bürgerstrom - Dietmar Helmer

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Samstag, November 03, 2007

 

McKinsey und BDI initiativ – Wirtschaft für Klimaschutz

Kosten und Potenziale der Vermeidung von Treibhausgasemissionen in Deutschland

Eine Analyse von Dietmar Helmer zur Studie vom 25.09.2007 von McKinsey, welche im Auftrag von „BDI initiativ – Wirtschaft für Klimaschutz“ erstellt wurde.

Die Politik und die Industrie in Deutschland stellen immer wieder heraus, wie ehrgeizig (Politik) und anspruchsvoll (Industrie) die Ziele der CO2e-Vermeidung sind. 31% Reduzierung bis 2020 gegenüber der Basis von 1990 sind laut BDI gerade so machbar ohne den Standort zu gefährden. Der BDI legt nun eine „umfassende Studie“ vor, die das anspruchsvolle Ziel durch fundamentale wissenschaftliche und betriebswirtschaftliche Analysen untermauern soll.
Die vier Sektoren Gebäude, Industrie, Energie und Transport werden mit ihren Einsparpotenzialen erörtert. Der BDI will aufzeigen, dass Klimaschutz eigentlich nicht viel kosten muss, wenn man nur die richtigen Arbeitsfelder betrachtet. 26% des Sparpotenzials bei CO2e sind ohne Einbuße für Wirtschaftswachstum und Lebensqualität sowie unter Beibehaltung des Kernkraftausstiegs machbar.
Meine Analyse zeigt auf, dass die Bestrebungen des BDI und der Politik weder anspruchsvoll noch ehrgeizig sind.
Für McKinsey-Deutschlandchef Frank Mattern stellt die Untersuchung eine objektive und breit abgesicherte Faktenbasis dar. Er will die Öffentlichkeit glauben machen, dass Objektivität gleichbedeutend mit Unabhängigkeit ist. Wie eindimensional und fokussiert die objektiven Daten der Studie in eine bestimmte Richtung weisen, ist nicht sofort durchschaubar.
Zwei Fakten bilden sich aus der Studie als Tenor heraus: 1. Die Industrie tut bereits alles Notwendige, um dem Klimaschutz zu dienen. 2. Ohne Atomkraft geht es nicht.

Lobbyismus ist ein weites Feld. Für die Studie können wir dankbar sein. Sie zeigt auf, wie der BDI mit Frontmann Jürgen Thumann und die deutsche Industrie denken. Insbesondere rechtfertigt die Studie, warum der Innovationswille der deutschen Energiewirtschaft und der deutschen Autoindustrie so gering ausgeprägt ist.
Vor allem der Industrie sei großer Dank gezollt, dass die Treibhausgasemissionen in Deutschland von 1232Mt im Jahr 1990 auf 1025Mt im Jahr 2004 zurückgegangen sind. Dass der wesentliche Anteil an dieser Reduzierung dem Untergang der DDR-Industrie und DDR-Energiewirtschaft zu verdanken ist, wird dabei selbstverständlich nicht besonders herausgestellt.
Leider ist es der deutschen Industrie nicht möglich, bis 2020 umfangreich den CO2e-Ausstoß zu reduzieren. Bei anhaltendem Wirtschaftswachstum ist allenfalls mit einem konstanten CO2e-Ausstoß zu rechnen. Die Energiewirtschaft kann ebenfalls nur einen geringen Beitrag zur Reduzierung des CO2e-Ausstoßes bis 2030 leisten. Es gibt gemäß der Studie scheinbar nur geringe Einspar- und Effizienzpotenziale.
Die wahren Potenziale der CO2e-Reduzierung liegen angeblich in der Carbon Capture and Storage (CCS)-Technologie, die frühestens ab 2030 nennenswert zur Verfügung steht.
Der Ausbau der erneuerbaren Energien kann dazu führen, dass die Emissionen um 20% gesenkt werden. Die vier Energiemonopole werden an der Änderung des Energiemix möglicherweise nur eine untergeordnete Rolle spielen, wenn man den historisch gewachsenen Anteil der Wasserkraft aus den Berechnungen herausnimmt. Vielleicht werden die Offshore-Windparks den Anteil der EE nennenswert anpassen.
Monopolgewinne bei weitgehend abgeschriebenen Kraftwerken und „windfall profit“ in Milliardenhöhe durch die Einrechnung der kostenlosen CO2-Zertifikate zu Marktpreisen in die Kostenrechnung werden auch in den nächsten Jahren die Partystimmung bei den Energiekonzernen und deren Aktionären nicht verderben, wenn die Politik die Rahmenbedingungen nicht modifiziert.
Nehmen wir die objektiven Zahlen der BDI-Studie und stellen diese in einen anderen Kontext. Wir werden sehen wie „ehrgeizig und anspruchsvoll“ unsere Politik und Industrie tatsächlich sind.

Das Lieblingsbasisjahr der Politik und der Industrie und deren Berater ist das Jahr 1990. Einige erinnern sich noch daran, dass das der Zeitpunkt des Zusammenbruchs der ineffizienten DDR-Energiewirtschaft und der Sozialismusindustrie war. Innerhalb von 5 Jahren konnte der CO2e-Ausstoß in Deutschland ganz wesentlich durch diesen Effekt von 1232Mt im Jahr 1990 auf 1096Mt im Jahr 1995 um 11% reduziert werden.
Nehmen wir als Basisjahr nicht das Kyoto-Jahr 1990, sondern das Jahr 1995, sind die 31% Reduzierung von CO2e bis 2020 unter Berücksichtigung des Energiemix gar nicht mehr so ehrgeizig und anspruchsvoll. Es sind jetzt (von 1096Mt auf 853Mt) nur noch 22% in 25 Jahren. Geht man natürlich davon aus, dass die Zeitreihe nun fünf Jahre kürzer ist und der Einmaleffekt des Niedergangs der sozialistischen Wirtschaftsordnung nicht wiederholbar ist, könnte man auf den Gedanken kommen, dass man sich nun doch ein wenig anstrengen müsste, um die CO2-Ziele zu erreichen.
Für den globalen Klimawandel und den globalen CO2e-Ausstoß sind absolute Zahlen einzelner Staaten zwar wichtig. Für die Ermittlung von Handlungsmöglichkeiten sind aber neben den relativen Zahlen pro Kopf auch die Verursachungsquellen entscheidend. Deutschland ist eines der wenigen Länder, deren Bevölkerung schrumpft. 1995 betrug die Bevölkerung ca. 81,7Mio. In 2020 sind es gem. Angabe der Studie noch ca. 80,7Mio und im Jahr 2030 noch ca. 78,5Mio.
Will man messen, was ein Land tatsächlich für die Reduzierung des CO2e-Ausstoßes tut, muss man den CO2e-Ausstoß pro Kopf betrachten.
Es ist Aufgabe der Weltklimakonferenz der UNO und anderen Weltkongressen, diesen Pro-Kopf-Wert in Korrelationen von z.B. BIP, Produktivität, Effizienz, Außenhandel, Transport u.a. zu setzen, um einen realistischen inneren Wert der CO2-Verursachung zu ermitteln.
Beispielsweise ist zu prüfen, wem man den CO2e-intensiven Abbau von Rohstoffen in Entwicklungsländern zuordnet. Die Nutznießer sind oftmals die Industriestaaten.
Wenn wir uns die Bevölkerung in Deutschland anschauen, stellen wir fest, dass wir 1995 bei 1096Mt und 81,7MioEW relativ 13,4toCO2/pro Kopf verursacht haben und dieser Wert im Jahr 2020 bei der Betrachtung des „Szenario geringe Kosten“ bei 907Mt und 80,7MioEW relativ auf 11,2toCO2/pro Kopf sinkt. So bleiben nur noch ca. 16,4% der anspruchsvollen 31% übrig.
Es ist zu beachten, dass ich genau die gleichen objektiven Zahlen von McKinsey und des BDI als Grundlage nehme. Die Zahlen werden nur in einen anderen Kontext gestellt.
Leider verfüge ich nicht über eine Datenbasis, wie groß die Verlagerungskapazitäten der energieintensiven Industrien und der Energiewirtschaft seit 1990 waren und künftig sein werden. Denn allein durch die Verlagerung von Fabriken und neuen Kraftwerken ins Ausland und die Stilllegung des Betriebes oder die Kraftwerksstilllegung in Deutschland kann die Statistik weiter entsprechend den für die interessierten Kreise notwendigen Anforderungen gestaltet werden.
Niemand möchte Unternehmen daran hindern, neue CCS-Kraftwerke im benachbarten Ausland zu bauen oder z.B. eine Lachgasfabrik in Ägypten. Dass hierbei für die Unternehmen ein Sonderprofit erzielbar ist, da man nun auf einmal Emissionshandelszertifikate erhält, die man verkaufen kann, ist durchaus erstaunlich. Die Tatsache allein, dass eine neue Fabrik gebaut wird, reicht offenbar im Einzelfall schon aus, um Zertifikate zu erhalten. Ob die Fabrik sowieso gebaut worden wäre, weil die Weltwirtschaft wächst, ist hierbei zweitrangig. Ob dadurch tatsächlich alte Produktionsanlagen abgeschaltet werden, die sowieso nicht mehr konkurrenzfähig gewesen wären, scheint niemanden wirklich zu interessieren. Alle Welt wundert sich nur, dass die Emissionen immer weiter zunehmen. Hauptsache der virtuelle Handel mit Zertifikaten treibt seine Blüten. Bezahlen müssen das alles die Verbraucher ohne dass der Nachweis des Nutzens für das Klima erbracht werden muss. Es erscheint mir aber wesentlich, ob durch eine Technologie tatsächlich eine Substitution stattfindet, um für den Sinn des Zertifikatehandels als Beitrag zum Klimaschutz geeignet zu sein. Virtueller Derivatehandel um seiner selbst willen löst nicht die Fragestellungen des Klimawandels.
Es bedarf dringend internationaler Normen, unter welchen Bedingungen man die Zertifikate anerkennt. In 10 Jahren werden 100te Mrd. Dollar/EUR in Zertifikaten gehandelt, weil alle Welt so viel für den Klimawandel tun will. Aber seltsamerweise wird der CO2e-Ausstoß weiter wachsen. Eine wunderbare virtuelle CO2e-Welt entsteht, an der einige „kluge Köpfe“ und Unternehmen sehr viel Geld verdienen; die Umwelt wird aber davon nichts haben.
Direkte Investitionen der Verbraucher werden erschwert, da das verfügbare Einkommen durch derlei Abschöpfungs-Maßnahmen weiter reduziert wird.
Es ist vollkommen unverständlich, dass die Politik zusieht, wie Investmentgesellschaften und Unternehmen das Geschäft mit den Zertifikaten im Namen des Klimawandels ungehemmt ausbauen, aber die Gelder nicht wesentlich für die zukunftsorientierten Technologien konsequent genutzt werden.

Bemerkenswert in der Studie ist zudem, dass McKinsey und der BDI mit aller wissenschaftlichen Macht feststellen, dass der Ölpreis im Jahr 2010 bei 57$ (max63$), im Jahr 2020 bei 52$(max. 68$) und im Jahr 2030 bei 59$ (max. 75$) stehen wird.
Die Investmentbank Goldman Sachs hatte bereits Anfang 2005 (!!) angenommen, dass es bald zu einem Ölpreis von 100$ pro Barrel kommen wird. Der Analyse sind offenkundig alle gefolgt, sodass wir im November 2007 bereits die 90$ deutlich überschritten haben.
Die Schuld dafür sucht jeder Handelnde natürlich beim Anderen. Wir Verbraucher bezahlen. Man testet eben aus, wie lange die Weltkonjunktur das aushält und schöpft ab, was der Markt hergibt. Wir können bezüglich des Öleinkaufs derzeit dankbar sein, dass der Dollar gegenüber dem Euro schwächelt. Sonst hätte die Bevölkerung des Euroraumes sich für den Winter warm anziehen müssen, da die Energiepreise und Spritpreise noch weiter angestiegen wären.
Man beachte, dass der Ölpreis 1996 bei einem Wechselkurs von ca. 1,30 $/EUR (bei 1USD=1,50DEM) bei 20$ lag. Im Jahr 2002 bei einem Wechselkurs von ca. 1,00 $/EUR bei 23$ und Ende 2007 bei einem Wechselkurs von ca. 1,45 $/EUR bei 90$. Wechselkursbereinigt aber ohne Berücksichtigung sonstiger Faktoren stand der Ölpreis pro Barrel demnach 1996 bei ca. 15€, 2002 bei 23€ und Ende 2007 bei 62€. Dieser Umstand wird aus vielerlei Gründen zweifellos Auswirkungen auf die Weltkonjunktur haben.
Kann man in einer solch umfassenden Studie, wie der des BDI wirklich ernsthaft ohne tendenzielle Absichten annehmen, dass wir in 13 Jahren ein Barrel Öl für 66$ (Wechselkurs 1 EUR = 1,2 USD, d.h. für 55€) erhalten, wenn wir heute bereits an Preise von 100$ gewöhnt werden? Eine der Hauptbegründungen für den Anstieg ist doch die hohe, dauerhafte Nachfrage nach Energie weltweit. Gibt es einen Grund, anzunehmen, dass sich die Entwicklungsländer und Schwellenländer nicht weiter zu mehr Wohlstand hin entwickeln? Wohlstandsmehrung bedeutet immer erhöhte Energienachfrage.
Ob diese Nachfrage Häuser sind, Wärme, Strom, Autos, Nahrungsmittel, ob es Produkte wie Kühlschränke, Fernseher, Computer, Telekommunikation, Maschinen, Werkzeuge etc. sind. Alles wird Energie benötigen. Zwar wird es weniger Energie pro erzeugte Einheit sein als heute, aber insgesamt mehr, weil die Einheiten schneller zunehmen, als die Effizienz pro Einheit gesteigert werden kann.
Die Annahme von 66$ für ein Barrel Öl in der Studie von McKinsey und dem BDI ist reiner Zweckoptimismus. Er lässt die neuen Technologien für erneuerbare Energien, neue Motoren, neue Maschinen, neue Werkstoffe, neue Speichermedien und Anstrengungen bei der Verbesserung der Energieeffizienz teurer erscheinen. Besser und ehrlicher wäre die Studie, wenn Sie die gleiche Datenbasis auch auf einem Ölpreis von 100$ und 150§ pro Barrel und bei wenigstens drei verschiedenen Dollarkursen zum Euro aufzeigen würde.
Die Politik und die Bevölkerung hätten so die Möglichkeit festzustellen, dass die Aufwendungen für einen wirksamen Klimaschutz gar nicht so revolutionär teuer sind, wie das neben der Industrie auch die Wissenschaft behauptet. Umwelt hat einen Preis. Lohnkosten, Materialkosten und Transportkosten sind selbstverständliche Bestandteile einer Kalkulation. Allmählich werden die externen Kosten für Umwelt in die betriebswirtschaftliche Kalkulation eingebunden.
Jeder Mensch erwartet einen Lohn für seine Arbeit. Dass die Unternehmen das Bestreben haben, diesen Preis möglichst gering zu halten, ist betriebswirtschaftlich gesehen legitim. Üblicherweise handeln die Beteiligten oder Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände den Lohn aus und einigen sich. Die Umwelt kann nicht für sich sprechen. Das ist Aufgabe der Politik. Da wirtschaftliche Handlungsweisen in einem Teil der Welt negative Folgen in einem anderen Teil der Welt haben können, muss es notwendigerweise einen Preis für diese Auswirkungen geben. Dem Geschädigten ist ein Ausgleich zu bezahlen, selbst und gerade, wenn der Geschädigte nicht unmittelbar Beteiligter des Geschäftes ist. Dieser Ausgleich kann fair letztlich nur durch eine Weltorganisation erreicht werden. Dies können neben Geldtransfers insbesondere Technologietransfers sein.
Derzeit ist man in grundsätzlichen Fragen des Klimawandels und dessen Auswirkungen noch völlig verschiedener Meinung. Man ist schnell bei den „Schuldigen“, wenn oberflächlich argumentiert wird. Dieses komplexe Thema bedarf einer komplexen Analyse. Allerdings taugen Studien, wie die von McKinsey und BDI nur bedingt, um ernsthaft an Lösungen zu arbeiten.
Solange Lobbyisten der Energiewirtschaft und der Industrie die Oberhand bei der Beurteilung dieser Themen und der Gewichtung der Parameter haben, wird es nicht zu weltweiten Reduzierungen von Treibhausgasemissionen kommen.
Wir Menschen in den Wohlfahrtstaaten haben nicht das Recht, den anderen Staaten deren Prosperität zu verwehren, welche wir seit Jahrzehnten genießen. Wir haben aber die Pflicht, mit unseren Technologien schnellstmöglich den Energiewandel zu bereiten, damit die aufstrebenden Staaten nicht erst mit fossilen Brennstoffen und Atomkraft ihren wachsenden Energiehunger befriedigen, sondern direkt in moderne Energie- und Speichertechnik investieren.
Dass wir dabei neue Märkte schaffen, neue Arbeitsplätze nachhaltig sichern und auch wie bisher ordentlich Geld verdienen können, steht nicht im Widerspruch zu einer zukunftsorientierten weltweiten Energieversorgung, die auf Nachhaltigkeit ausgerichtet ist.
Den konsequenten weltweiten Energiewandel hin zu erneuerbaren Energien mit neuen Technologien und neuen Speichermedien bezeichne ich als „vierte industrielle Revolution“.
Genauso wie die „erste industrielle Revolution“ durch die Dampfmaschine, die „zweite industrielle Revolution“ durch die Elektrifizierung und die „dritte industrielle Revolution“ durch Technologien wie die Mikroelektronik, Telekommunikation, Computer, neue Materialien und Biotechnologie die Welt wesentlich verändert hat, so wird der Energiewandel wesentliche Veränderungen hervorbringen.
Die zukünftige Marktwirtschaft wird eine „Nachhaltige Marktwirtschaft“ sein. Wenn wir die Rohstoffe der Erde nachhaltig nutzbar machen, fossile Rohstoffe umweltbewusst nutzen und konsequent auf erneuerbare Energien setzen, werden wir die Treibhausgasemissionen in den nächsten zwei Jahrzehnten zumindest auf dem heutigen Niveau halten können.



Die Studie ist insoweit hilfreich, dass sie uns ein Verständnis für die Denkweisen des BDI und deren Hauptsponsoren und Berater gibt.
Objektiv richtige Zahlen werden aus nachvollziehbaren Gründen in spezielle Zusammenhänge gebracht, um letztlich aufzuzeigen, dass angeblich bereits alles Notwendige getan wird oder zumindest in die Wege geleitet ist. Die Industrie und deren Berater haben alles im Griff. Die Ökonomie soll weiterhin zulasten der Ökologie und der gesellschaftlichen Verantwortung uneingeschränkt dominieren. Die beiden Letzteren sind nur störende Kostenfaktoren bei der Erzielung der derzeitigen Traumrenditen auf das eingesetzte Kapital.
Die Marktwirtschaft macht es möglich, mit dem Klimawandel heute bereits Milliardenprofite zu erzielen, ohne tatsächlich in umfassendem Maße diese Profite in Investitionen zu lenken, die den Klimawandel möglicherweise begrenzen könnten. Bleibt der Umwelt zu wünschen, dass die UNO in der Lage sein wird, das Richtige zu tun.

Sonnige Grüße
Dietmar Helmer
www.buergerstrom.org

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Sonntag, März 18, 2007

 

Das DIW, Frau Prof. Kemfert und die Kosten des Klimawandels

Im Wochenbericht 11/2007 wurde vom DIW (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) durch Frau Prof. Claudia Kemfert die sehr beeindruckende Zahl von EUR 800.000.000.000 als Deutschlands Kosten für den Klimawandel von 2007 bis 2050 veröffentlicht.
Bis zum Jahr 2100 sollen diese Kosten sogar EUR 3.000.000.000.000 betragen.

Die Medien schreiben diese Zahlen ungefiltert ab, stellen Weltuntergangsszenarien dar und beschwören die Klimakatastrophe. Leider habe ich noch keinen einzigen Bericht gesehen, der diese Monsterzahlen auf Ihren Realwert reduziert.
Mal ganz davon abgesehen, dass die Wirtschaftsinstitute nicht mal ernsthaft in der Lage sind, die Konjunktur- und Steuerdaten für das nächste Jahr richtig zu bestimmen, sollte doch jeder Betrachter solcher „Studien“ sich fragen, was diese Zahlen eigentlich sollen.
Leider werden die Datenbanken dieser Studie bisher nicht veröffentlicht, sodass es nicht möglich ist, die Annahmen, die diesen Zahlen zu Grunde liegen zu prüfen.

Wenn wissenschaftliche Forschung heutzutage so aussieht, dass man mit finanzmathematischen Formeln dieses Schindluder bei einem der wichtigsten Themen der Menschheit betreibt, dann fragt man sich, wie seriös diese Art von Forschung ist und welchem Zweck Sie dienen soll.

Ein Beispiel soll das aufzeigen:
Sie wollen heute eine Lebensversicherung abschließen. Diese soll in 20 Jahren einen Auszahlungswert von EUR 100.000 haben. Bei einem Zins von nur 2% müssen Sie heute EUR 67.300 anlegen, um diesen Betrag zu erhalten. Bei 4% Zins sind das nur noch EUR 45.639. Bei 40 Jahren Anlagedauer und 2% sind es EUR 45.289 und bei 4% EUR 20.829.

Wenn Frau Kemfert einen Zukunftswert benennt, muss Sie auch einen Inflationsausgleich in diese Zahlen eingerechnet haben. Da die Datenbasis unbekannt ist, und die Reporter nicht nachfragen, welcher Barwert auf Jahresbasis des Jahres 2007 diesen Monsterzahlen zugrunde liegt, werden die Menschen verrückt gemacht und eher das Gegenteil erreicht, was vielleicht mit guten Absichten gedacht war.
Wissenschaftlich gesehen, wollte das DIW vielleicht einfach die externen Kosten für Energie darstellen?

Ich versuche an dieser Stelle etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Rechnen Sie mit! Die Formel für den Kapitalbarwert lautet:
Kapital o(Anfang) = Kapital n(Ende) : (1 + p(Zins)/100) hoch n(Jahre)
Da wir nach Kapital o (also dem heutigen Barwert) suchen ergibt sich bei der Lebensversicherung folgende Formel:
K o = 100.000 : (1 + 2/100) hoch 40 = K o = 100.000 : 1,0240 = (EUR) 45.289

Bezogen auf die Zahl des DIW von EUR 800.000.000.000 ergibt sich bei 44 Jahren ein Barwert bei 2% Inflationsrate von 334,72 Mrd. bei 3% von 217,90 Mrd. und bei 4% von 142,44 Mrd.
Wenn wir davon ausgehen, dass wir in den nächsten 44 Jahren nur eine Inflationsrate von 2% (3%) p.a. haben sollten, wären die Klimakosten per heute mit 334,72 (217,90) Mrd. anzusetzen.

So lag die durchschnittliche Inflationsrate seit Einführung des Euro im Euro-Raum bei praktisch 2 % – und damit sogar unterhalb des Durchschnitts der deutschen Inflationsrate in den Jahren 1990 bis 1998 (2 ¼ %) (www.bundesbank.de).

Das DIW vermischt die Kosten für Landwirtschaft, Tourismus, Industrie, Versicherungsschäden, Stürme, Dürren, Hochwasser, Ausgaben für Investitionen und Modernisierungen einfach in einem Topf, um letztlich nichts zu beweisen, außer dass man bei langen Betrachtungszeiträumen richtig große pressewirksame Zahlen ausrechnen kann.

Das DIW reduziert den Klimawandel auf eine primitive ökonomische Geld-Kostengröße. Oder soll behauptet werden, dass die Auswirkungen auf Flora und Faune, das Ausbreitungen von Krankheiten, Flüchtlingsströme, Veränderungen von Warenströmen, Lieferstopps von Öl, Gas, Kohle, Uran etc. in der Zukunft auch nur ansatzweise so berechenbar sind, dass eine ökonomische Abschätzung der Folgen möglich ist?
Annehmen kann man ja alles. Taschenrechner her, Formelansätze verändern, passt. Je größer die Zahl, umso größer die Pressewirkung.

Nun müssen wir die 334,72 (217,90) Mrd. ja nicht sofort ausgeben, sondern nehmen uns das Jahr 2007 mit dem heutigen Barwert vor. Demnach wären die Kosten für das Jahr 2007 bei 7,61 (4,95) Mrd. Rechnen wir nun den Betrag auf die 82.000.000 Bürgerinnen und Bürger dieses Landes um, ergibt sich ein Kosten-Barwert von EUR 93 (60) pro Kopf.

Genau, Sie staunen? Jeder Bürger dieses Landes hat heute all inclusiv nach der vorgestellten Monsterzahl des DIW bei 2% Inflationsrate nur 93 EUR Kosten für den Klimawandel zu tragen.
Als erster Einwand der Wissenschaftselite wird natürlich kommen, dass ich nicht einfach den Barwert auf das Jahr 2007 rechnen darf, da das Geld für die Kosten ja nicht auf einem Konto liegt und sich verzinst. Wenn ich aber auf das Sparvermögen der Inländer dieses Landes schaue, sehe ich sehr wohl ausreichende bereits heute existierende Geldmittel, um die Kosten des Klimawandels zu meistern.
Allein 2005 wurden in Deutschland € 159 Mrd. gespart. (http://www.bvr.de/public.nsf/index.html?ReadForm)

Das bedeutet, dass die Kosten des Klimawandels nicht einmal 5% des jährlich hinzukommenden Sparvermögens aller Bürger dieses Landes ausmachen. Bei dieser Betrachtung sind die Industrie sowie die Effizienzeffekte durch einen modernisierten Kraftwerkspark und bessere Gebäudedämmung, Autos, Haushaltgeräte und besseren Umgang mit Energie außer Acht gelassen. Das Wichtigste ist aber, die konsequente und massenhafte Umstellung des Energieparks auf erneuerbare Energien aktiv und ab sofort durchzuführen. Der Hebel für den Klimaschutz in Deutschland ist durch diese Maßnahmen noch um ein Vielfaches größer. Nachhaltige Marktwirtschaft wird so möglich.

Was hindert die Politik, die Industrie und die Menschen eigentlich daran, die angebliche Reduzierung des Bruttoinlandsproduktes von 0,5% p.a. in Investitionen zu lenken und so das BIP zu erhöhen. Das DIW geht auch sehr oberflächlich mit dem Kostenbegriff um, da suggeriert wird, dass Ausgaben für den Klimaschutz einen dämpfenden BIP-Effekt haben, was so natürlich nicht korrekt ist.
Drehen wir den Hebel um und sagen uns heute – im Jahr 2007: 93 EUR sind die angeblichen Kosten. 93 EUR pro Kopf und Jahr in Deutschland ist nicht zu viel Geld, um den Klimawandel zu begrenzen.
Bei der Investition dieses Betrages muss niemand auf irgendetwas verzichten. Keiner muss sich schuldig fühlen, dass er lebt und ein CO2-Verursacher ist. Hören wir endlich auf zu jammern, was alles kostet und wie teuer alles angeblich ist!

8 EUR pro Monat pro Person für den Klimaschutz ab sofort.
Fangen wir an – Energiewandel heute – Bürgerprojekt Photovoltaik – Bürgerstrom!
Sonnige Grüße
Dietmar Helmer

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Samstag, Oktober 14, 2006

 

Lobbyismus Teil 4: Realitätsverdrängung durch Statistik. Klimawandel braucht Realität, nicht Verdrängung.

Baden-Württemberg will nachhaltigen Umweltschutz

Schein und Wirklichkeit für ein Engagement zum Klimaschutz

Bei der Vorstellung des Berichtes „Umweltdaten 2006“ sprach unsere Umweltministerin Tanja Gönner von dem „ehrgeizigen Ziel“, 20% des Strombedarfs in BaWü bis zum Jahr 2020 aus erneuerbaren Energien zu decken.

Hört, hört, wie stark der Ehrgeiz unserer Landesregierung ausgeprägt ist.
In der Broschüre „Erneuerbare Energien in Baden Württemberg 2005“ wird aufgezeigt, wie sich das Thema erneuerbare Energien in BaWü in den letzten Jahren entwickelt hat.

Ausgehend vom Basisjahr 1997 wird folgender Zielparameter für 2010 für Strom aus erneuerbaren Energien angegeben:

Bruttostromverbrauch

Basisjahr

1997 in %

Zieljahr

2010 in %

Baden-Württemberg

6,1

11,5

Deutschland

4,5

12,5

EU-15

13,9

22,0

Primärenergieverbrauch

Basisjahr

1997 in %

Zieljahr

2010 in %

Baden-Württemberg

2,4

4,8

Deutschland

2,0

4,2

EU-15

5,4

12,0

BaWü hat den niedrigsten Zielwert für 2010. Das ist sehr ehrgeizig.

BaWü hat einen höheren Ausgangswert wie Gesamtdeutschland. Da kann der Zielwert auch niedriger ausfallen. Das ist sehr ehrgeizig.

Die EU-15 gibt einen mehr als doppelt so hohen Zielwert an als BaWü. Das Land ist demnach sehr ehrgeizig.

Interessant ist die statistische Analyse auch im Hinblick auf den Anteil der Wasserkraft an den erneuerbaren Energien ist. Mit ca. 67% ist er aufgrund der natürlichen Gegebenheiten sehr hoch. Die Nutzung ist auch historisch bedingt und stellt keine neue Leistung für die notwendigen Anstrengungen zum Klimaschutz dar.

Vielmehr wird dadurch verschleiert, dass relativ wenig im Land unternommen wird, um den Strombedarf auf nachhaltige Energieträger umzustellen.

Es wird uns erklärt, dass der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch von 7,9% im Jahr 2005 auf 8,5% im Jahr 2006 gestiegen ist. Das ist eine gute Nachricht, sagt aber nichts darüber aus, was tatsächlich unternommen wurde, um den Anteil erneuerbarer Energie an der Stromerzeugung nachhaltig zu steigern.

Denn bereits im Jahr 2000 war der Anteil in BaWü bei 9,2% gelegen. Die Wasserkraft ist wie die meisten erneuerbaren Energieträger schwankungsanfällig. Wahrscheinlich war 2005 ein besseres Wasserkraftjahr als 2004.
Das aber als Erfolg einer zukunftsorientierten Politik zu verkaufen, ist politische Schönfärberei.

Die Regierung gibt sich große Mühe, mit vielen Umweltdaten und interessanten Broschüren, den Bürgerinnen und Bürgern Basisinformationen zur Verfügung zu stellen. Das ist gut und ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Nur ist die Strategie, seit Jahren viele Daten zu sammeln, allein nicht zielführend, um dem Klimawandel zu begegnen. Der Klimawandel findet statt. Das ist allgemein wissenschaftlich anerkannt. Auch auf den Seiten des Umweltministeriums BaWü wird diese Tatsache anerkannt. Nur wirklich verändert wird wenig seitens der Energiemonopole und weiten Teilen der Politik.

Klimawandel ist „Eine unbequeme Wahrheit“. Das Zitat von Upton Sinclair bringt es auf den Punkt:

“It is difficult to get a man to understand something when his salary depends upon his not understanding it.”
„Es ist schwer, jemanden dazu zu bringen, etwas zu verstehen, wenn er dafür bezahlt wird es nicht zu verstehen.“

Der Lobbyismus der Monopole funktioniert. Die EnBW veranstaltete sogar einen Klimaschutzkongress.

(Lobbyismus Teil 1, vom 30.09.06)
Die EnBW ist die Speerspitze einer neuen Umweltbewegung.

Die Herausforderung ist, dass die Speerspitze auf die erneuerbaren Energien zeigt, um die Atomkraft zu verteidigen.

Nachhaltige Marktwirtschaft funktioniert anders. Sofern man Monopole duldet, haben Sie auch gesellschaftliche und ökologische Verantwortung zu tragen. Monopole haben dabei zu akzeptieren, dass durch nachhaltige Entwicklung ökonomischer Prozesse, die Rendite geschmälert wird. Ein Optimum kann niemals ein Maximum sein, wenn man auch andere als reine betriebswirtschaftliche Parameter in die Renditekalkulation einfließen lässt.

Die Antwort kann nur heißen: Bürgerstrom durch Bürgerprojekte. Anhand der Photovoltaik zeigt das Bürgerprojekt Solarstrom beispielhaft auf, wie sich jeder Einzelne für die Gemeinschaft einbringen kann und dazu beiträgt, Schritt für Schritt einen tatsächlichen Energiewandel herbeizuführen.

Energiesparen und Energieeffizienz sind zwei wichtige Faktoren zur Reduzierung von CO2-Emissionen. Der nach meiner Auffassung wichtigste Faktor ist aber, die Entstehung von CO2 von vorne herein zu vermeiden.

Wenn Energie bereits CO2-reduziert bereitgestellt wird oder in der Energieproduktionsphase sogar fast CO2-frei ist (z.B. Photovoltaik oder Windkraft), dann kann der Einzelne den Wohlstand auch genießen, ohne reflexartig überlegen zu müssen, welche Umweltsünde er gerade mit der Standby-Taste begeht.

Wenn wir wollen, dass alle Menschen an Wohlstand partizipieren, kann die Energiefrage nur gelöst werden durch konsequenten und massenhaften Ausbau erneuerbarer Energien.

Alle bisherigen Ansätze der Politik und der Monopolwirtschaft lösen die Fragestellungen zum Klimawandel nicht. Der CO2-Ausstoß wird unweigerlich zunehmen, wenn wir in diesem langsamen Tempo den Energiewandel weiter betreiben.

Wer möchte schon eine unbequeme Wahrheit hören, wenn er heute davon profitiert. Den Profit haben nicht nur die Unternehmen (z.B. durch Geld und Macht) und die Politik (z.B. durch Macht und Wohlgefallen), sondern jeder von uns (z.B. durch Wohlstand). Gehen wir in uns selbst. Fragen wir uns: Was kann ich selbst tun? Finden Sie Ihren Weg, um dem Klimawandel zu begegnen.

Sie verursachen 10.140 kg CO2 pro Jahr. Schaffen Sie Kapazitäten, um Ihre persönlichen CO2-Emissionen zu reduzieren oder gar auf 0 zu stellen oder sogar darüber hinaus zu gehen. Es gibt viele Wege dies zu tun.

Ein Weg ist das Bürgerprojekt Photovoltaik. Nachhaltigkeit durch nachhaltige Marktwirtschaft. Gestalten Sie die Zukunft mit. Befreien Sie sich vom Preisdiktat der Monopole. Machen Sie sich unabhängig von Versorgungsengpässen, Krisenregionen, Monopolstrukturen, politischen Unfähigkeiten.
Wirken Sie mit beim Aufbau einer
Schlüsseltechnologie
dieses Jahrhunderts und schaffen Millionen zukunftsfähiger nachhaltiger Arbeitsplätze.
Wir bestimmen selbst, wie der Klimawandel aussieht.

Die Zukunft beginnt jeden Tag.
Gemeinsam können wir den Klimawandel aufhalten. Sie müssen es nur wollen.

Sonnige Grüße
Ihr
Dietmar Helmer

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Montag, Oktober 09, 2006

 

Lobbyismus Teil 3: Wie ein Windkraftanlagenbauer für die Atomindustrie Lobbyismus betreibt.

In den letzten Tagen kam die frohe Kunde, dass in der Nordsee das erste Testfeld für einen deutschen Meereswindpark mit 12 der neuen 5-Megawatt Windkraftanlagen bis 2008 gebaut werden soll. Dass die Betreiber die Monopole EON, Vattenfall und EWE sein werden, zeigt, dass es wohl doch möglich ist, wirtschaftlich regenerativ hergestellten Strom zu produzieren.
Ist ja auch nicht weiter verwunderlich: Laut Stuttgarter Zeitung vom 04.10.06 beträgt das Investitionsvolumen EUR 175 Mio. Auf der Website des Anlagenlieferanten REpower ist in einer Pressemitteilung vom 02.10.06 noch erwähnt, dass das BMU EUR 50 Mio. Fördermittel zugesichert hat.

Die professionelle Arbeit der Lobbyisten hat volle Früchte getragen. Muss man den armen Großmonopolen auch noch EUR 50 Mio. nachtragen, damit die sich für das Thema regenerative Energien überhaupt interessieren. Vordergründig regt die Politik sich über die Maßlosigkeit bei den Strompreisen auf und schimpft über zusätzliche Milliardenprofite. Trotzdem bezuschusst man die Monopole noch mit EUR 50 Mio.

Der eigentliche Clou bei diesem Geschäft ist aber, dass zeitgleich zur Bekanntgabe dieses Windkraftprojektes der ehemalige Umweltsenator und jetzige Chef von REpower, Herr Vahrenholt, unter anderem in der TAZ vom 07.10.06 ein Interview gegeben hat und sich für die Verlängerung der Atomkraftwerkslaufzeiten ausspricht.

Zitatanfang:
Warum liegt Ihnen als Windradbauer die Atomkraft so am Herzen, dass sie längere Laufzeiten fordern?
Wir stehen vor unglaublichen Verwerfungen der Energiemärkte. Gleichzeitig wird Jahr für Jahr deutlicher, welche katastrophale Folgen der Klimawandel haben wird. Wir brauchen deshalb Zeit, um unsere Energieversorgung anzupassen.
Zitatende.
7.10.2006 taz Wirtschaft und Umwelt 151 Zeilen, THORSTEN DENKLER S. 9

Die Argumentationen sind aus der Sprüchekiste der Atomlobby übernommen:
1. Windenergie und Sonnenenergie sind noch nicht ausreichend vorhanden, sichern nur den Spitzenstrom und sind für Grundlaststrom derzeit ungeeignet.
2. Das bisschen mehr Atommüll macht doch nichts. Unsere Kraftwerke sind sicher.
3. Im Jahr 2050 können wir vielleicht 50% unserer Energieversorgung aus regenerativen Quellen beziehen.
4. Herr Vahrenholt weiß heute auch schon genau, dass man bei den heutigen Preisen von 50ct für Sonnenstrom ganz sicher nicht auf 7ct oder 8ct kommen kann in den nächsten 20 Jahren.
etc.
Mein lieber Herr Vahrenholt, bei der Einstellung, die Sie zu Ihrer Branche haben, sollten Sie Ihren Job wechseln. Wie teuer war Windstrom vor 15-20 Jahren? Na wissen Sie es noch? Heute stehen wir bei 8,6ct mit fallender Tendenz.

Niemals würde ich vermuten, dass Ihre Huldigung für den Atomstrom etwas mit dem tollen Geschäft für den Meereswindpark, den Sie für EON, Vattenfall und EWE bauen dürfen, zu tun hat. Wer einen solchen Zusammenhang konstruieren würde, läge nach Ihrer Auffassung sicher fehl. Da das auch nicht zu beweisen ist, liegt es mir demnach auch fern, solch eine Vermutung anzustellen.

Die Entwicklungen in allen Feldern der solaren Energiegewinnung sind fulminant. Bei Einsatz der modernen heutigen und künftigen Techniken wird es möglich sein, die Preise pro kwh deutlich zu senken. Das müssen in 20 Jahren wahrscheinlich auch keine 8ct mehr sein.

Auch Sie, Herr Vahrenholt, wissen, dass durch die neuen Technologien bei Kohle und Gaskraftwerken zur Vermeidung von CO2-Emissionen die derzeitigen Gestehungspreise dieser Energiegewinnungsformen und die stetig steigenden Rohstoffpreise zu einem unaufhaltsamen Anstieg der Strompreise führen. Des weiteren wird der Emissionshandel mit CO2-Zertifikaten verfeinert. Die Inflation tut ein weiteres. Bei nur 2% Inflation pro Jahr steigen die Preise um 50% in 20 Jahren. Wären die Kosten für die Endlagerung des Atommülls nicht dem Staat angelastet, gäbe es den Traum vom billigen Atomstrom gar nicht.

Ich selbst bin überzeugt, dass man das Thema Atomstrom entemotionalisieren müsste und wirtschaftlich sinnvolle Lösungen anstrebt. Ihre Argumente und die der Atomlobby gehen aber nur zu Lasten der Gesellschaft und zum Nutzen der Energiemonopole.

Wenn die Monopole bereit sind, nachhaltige Marktwirtschaft durch Einbindung von Ökologie und gesellschaftlicher Verantwortung in ihr wirtschaftliches Handeln einzubetten, sollte man darüber wertfrei sprechen.

Es reicht doch schon, wenn die Monopole für die eigenen Interessen Lobbyismus betreiben. Warum haben Sie, Herr Vahrenholt, sich deren Argumenten angeschlossen?

Es grüßt Sie
Ihr Dietmar Helmer

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Samstag, September 30, 2006

 

Lobbyismus Teil 2: Thank you for smoking oder wie Lobbyismus funktioniert.

Wie die Financial Times Deutschland am 27.09.06 berichtet hat, soll ein weiterer "Wolf im Schafspelz" nun direkter Berater unseres Umweltministers werden.

Der Vattenfall-Chef, Lars Josefsson, ist der Ansicht, dass man Klimaeffekte fürchten muss. In meinem letzten Blog habe ich bereits dargestellt, wie sich der EnBW-Chef, Utz Claassen, den Klimaschutz vorstellt.

Ich bin der Ansicht, dass man die Chefs der Strommonopole fürchten muss. Perfekte Lobbyarbeit führt die Menschen dazu, den Argumenten der Konzernchefs glauben zu schenken. Gute Medienberater arbeiten aktiv an einem positiven Image der Stromkonzerne, um die tatsächlichen Ziele dieser Unternehmen zu verschleiern.

Wie das funktioniert, zeigt grandios am Beispiel der Tabakindustrie der derzeit in den Kinos laufende Film "Thank you for smoking" auf. Genießen Sie die phantastische Rhetorik, die uns aufzeigt, wie gute Lobbyarbeit funktioniert.

Die Bundesregierung braucht zwei Berater für den Klimaschutz. Ausgerechnet ein Strommonopolchef soll Anregungen geben für einen wirksamen Klimawandel.
Ich verrate Ihnen auch das wichtigste Argument, das für Herrn Josefsson spricht:
Der Lobbyist: "Er ist ein kompetenter Vermittler zwischen den Interessen der Politik und der Wirtschaft."
Niemand kann das Argument widerlegen. Somit ist die Berufung von Herrn Josefsson richtig. Es kommt nicht darauf an, ob ein Argument glaubhaft oder zielführend ist. Es muss nur unwiderlegbar sein.

Der zweite Berater soll Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) werden.
Er wird demnach das Bindeglied zwischen Wissenschaft, Politik und Wirtschaft darstellen.

Bei der geballten Kompetenz, die die Wissenschaft und Wirtschaft aufbringt, fragt niemand mehr danach: "Und wer vertritt die Interessen der Bürgerinnen und Bürger?"
Ach ja, das macht die Politik(?)...

Sonnige Grüße
Dietmar Helmer

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Lobbyismus Teil 1: Klimakongress in Berlin - EnBW als Speerspitze des Klimawandels?

Es ist kaum zu glauben, wenn man die Worte des EnBW-Vorsitzenden Utz Claassen in der Presseerklärung der EnBW vom 21.09.2006 liest.

Zitat:

EnBW-Chef Claassen: "Wir dürfen und wir werden keine Entscheidungen treffen, die Aspekte des Klimaschutzes ignorieren."
Berlin. „You do pioneer work.“ Dieses Fazit zog Jeremy Rifkin zum Abschluss des von der EnBW organisierten ersten Deutschen Klimakongresses am heutigen Donnerstag in Berlin. Als Initiator des Kongresses betonte der EnBW-Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Utz Claassen, dass der Klimawandel die Existenz der Menschen bedrohe.
"Klimaschutz ist von erdgeschichtlicher Bedeutung. Ohne Alternative ist daher der globale Ausbau der erneuerbaren Energien mit dem Kernthema Entwicklung von Speicher- und Transportmedien. Dies geht jedoch nur, wenn wir einen unternehmensübergreifenden und die Politik sowie Wirtschaft vereinenden Ansatz suchen und finden." Als Ergebnis des zweitägigen Expertengipfels „Klima im Wandel – Fakten, Folgen, Perspektiven“ legten die beteiligten Wissenschaftler einen Fahrplan, die "Berliner Erklärung", zum Schutz des Klimas vor.
In ihrer gemeinsamen Erklärung setzen sich die Teilnehmer des ersten Deutschen Klimakongresses der EnBW für ein Umdenken in puncto Klimaschutz ein. Der Klimawandel müsse endlich als Tatsache anerkannt und in konkrete Handlungen umgesetzt werden, forderten renommierte Klimaexperten wie der US-amerikanische Ökonom Jeremy Rifkin oder der Meteorologe Prof. Dr. Mojib Latif. Zu den wichtigsten Zielen gehöre es dabei, die weltweite Erhöhung der Temperatur auf maximal zwei Grad zu begrenzen. Deshalb müsse der weltweite CO2-Ausstoß bis 2050 halbiert werden.
Als ersten Schritt sieht die „Berliner Erklärung“ daher die Bildung einer offenen und regelmäßigen deutschen Klimagruppe vor, in der Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft gemeinsam Maßnahmen für eine Klima schonendere Energiepolitik entwickeln sollen.
Die Erklärung sei ein wichtiges Signal, betonte auch Mojib Latif. Jetzt gelte es zu handeln und nicht mehr zu debattieren.
Auch Jeremy Rifkin zeigte sich zufrieden mit den Ergebnissen des Kongresses: „Die Konferenz war eine internationale Plattform von herausragender Bedeutung. Mit dem Positionspapier legen wir ein Ergebnis vor, das nachhaltige Wirkung haben wird“. Veranstalter des Kongresses ist die EnBW Energie Baden-Württemberg AG. „Nur wenn Wissenschaft und Wirtschaft an einem Strang ziehen, können wir die Energieversorgung und das ökologische Gleichgewicht für die nachfolgenden Generationen sichern – als Energiekonzern sehen wir darin einen zentralen Auftrag. Die EnBW wird über ihre bisherigen Aktivitäten hinaus ihre Anstrengungen im Bereich Energieeffizienz weiter intensivieren und keine Entscheidungen treffen, die Aspekte des Klimaschutzes ignorieren", sagte Claassen abschließend.
Zitat Ende.

Grandios! Herzlichen Glückwunsch!
Die EnBW als Speerspitze des Klimaschutzes und der erneuerbaren Energien? Wird eine von mir seit Jahren erhoffte Vision wirklich wahr? Ich bin ganz aufgeregt und musste die Pressemitteilung mehrmals lesen.

Die EnBW erkennt den Klimawandel unbestritten an. Wird die EnBW jetzt der deutsche Wegbereiter zur Verhinderung des Klimawandels?

Die erste positive Schock reduziert sich beim Nachdenken allmählich. Ich denke an ein Bibelzitat aus Matthäus 7, 16:
"An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Liest man etwa von Dornen eine Traube, oder von Disteln Feigen?"
Ist es wahrlich nur Zufall, dass ausgerechnet einen Satz vorher folgendes Bibelzitat steht?
"Hütet euch aber vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe."

Nun, nachdem die Endorphinausstöße bei mir vorbei sind, legt sich das erste Glück wieder zur Bescheidenheit, denn es hätte mich überrascht, wenn auf dem Klimakongress ein Wunder geschehen wäre und die EnBW ein Bürgerprojekt Photovoltaik geworden wäre.

Der entscheidende Satz in der Pressemitteilung lautet nämlich:
Zitat Utz Claassen: "...Dies geht jedoch nur, wenn wir einen unternehmensübergreifenden und die Politik sowie Wirtschaft vereinenden Ansatz suchen und finden." Zitat Ende.


Da es einen solch "unternehmensübergreifenden" und "vereinenden" Ansatz in absehbarer Zeit nicht gibt, wird es eben auch keine bahnbrechende unternehmerische Entscheidung der EnBW in absehbarer Zeit geben.

Ich versuche den Wesenskern des letztgenannten Zitates von Utz Claassen zu treffen: In Bürgersprache heißt das, was er sagt, wie folgt: "Wenn andere Monopolunternehmen nichts unternehmen in der Frage der erneuerbaren Energien, warum soll ich als einziger Unternehmenschef eines Monopolunternehmens etwas unternehmen. Alle Monopolisten sollen etwas tun. Sonst schadet das möglicherweise der kurzfristigen Performance und den Aktionären der EnBW."

Die EnBW will suchen und finden. Sie sagt aber nicht was sie sucht und was sie finden möchte. Ist doch gut. Wie an Ostern. Suchen wir das Überraschungsei und wundern uns (nicht), wenn das Ei faul geworden ist.

Die in den letzten Monaten gestreuten positiven Meldungen über die Beteiligung an innovativen Kraftwerken der Zukunft ab den Jahren nach 2010 sind nicht wirklich ernst zu nehmende nachhaltige unternehmerische Entscheidungen im Sinne des Klimawandels und schon gar nicht im Sinne der obigen "Berliner Erklärung".

Man zeigt ein wenig Präsens, um sich nicht ganz fern von den Wünschen der Mehrheit der Bevölkerung zu bewegen. Denn die Menschen wollen laut einer aktuellen Forsa-Umfrage mehrheitlich langfristig keinen Atomstrom mehr haben.

Es wird demnach möglicherweise bei der schönen Erklärung von Berlin bleiben und große Entscheidungen wie bisher auf die "lange Bank geschoben".

Es bleibt eben bei der Vision. Solche Klimakongresse sind derzeit gute Marketing- und Alibiveranstaltungen von Monopolkonzernen zur Streuung von Sand in die Augen der Menschen.
Auch der Umweltminister hatte für die EnBW lobende Worte. Herr Gabriel hatte aber ganz vergessen zu fragen, welche konkreten Investitionen und in welcher Höhe in erneuerbare Energien und die Speicher- und Transportmedien durch die EnBW in den nächsten 2 Jahren getätigt werden. Denn immerhin ist der Klimawandel von erdgeschichtlicher Bedeutung lt. EnBW.

Aber so ist das in Politik und Wirtschaft. Die entscheidenden Fragen, die zum Handeln zwingen, werden erst gar nicht gestellt.

Wenigstens hatte jeder Beteiligte für ein paar Tage eine gute Presse.
Ich träume weiter davon, dass die Monopole die Speerspitze des Energiewandels werden.

Sonnige Grüße
Ihr Dietmar Helmer - Bürgerstrom.org

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Sonntag, September 03, 2006

 

BDI - Thumann-Worthülsen zum Thema Innovationen

Bürgerprojekt Photovoltaik
(Kolumne Folge 6)

In der ADAC-Motorwelt 10/2005 schreibt der Präsident des BDI, Herr Jürgen R. Thumann über die Stärke der deutschen Industrie.
„Made in Germany ist weltweit anerkannt….“

Zitat:

„Wir müssen unsere Stärken in Forschung, Technologie und Innovation offensiv ausbauen. Bei vielen dieser Faktoren steht Deutschland immer noch gut da: Man denke an die hohe Zahl der Patente, den innovativen Mittelstand und die Ausbildung der Arbeitskräfte. Die Wirtschaftspolitik der letzten Jahre hat jedoch zu wenig auf Wertschöpfungspotenziale bei wissensbasierten, forschungsintensiven, innovativen Produkten und Dienstleistungen gesetzt.

Nur im Ausbau von Wissensvorsprüngen liegt unsere ökonomische Zukunft. Die Generierung von Ideen und deren Umsetzung in innovative Produkte und Verfahren sind für uns der Schlüssel zur Zukunft. Wir haben nach wie vor enorme wirtschaftliche Zukunftspotenziale, und wir haben alle Chancen, diese Potenziale zu erschließen. Die Politik bleibt aufgefordert, die Rahmenbedingungen hierfür zu setzen, für Wachstum und Beschäftigung sorgen dann die Unternehmer.“ Zitat Ende


Man kann jedem dieser Sätze uneingeschränkt zustimmen.
Wenn man das liest, müssten Umweltschützer und Unternehmer eigentlich Hand in Hand gehen und ein glückliches Paar bilden.

Eine der innovativsten Branchen in Deutschland sind die Zukunftstechnologien der regenerativen Energien. Ob z.B. bei Photovoltaik, Windkraft, Geothermie, es finden hier „Quantensprünge“ in der Entwicklung und der Umsetzung in Produkte statt. Nach dem, was Herr Thumann sagt, müsste der BDI uneingeschränkt die Förderung der regenerativen Energien unterstützen. Das Energie-Einspeise-Gesetz (EEG) erfüllt alle Voraussetzungen, um die Aussagen des BDI-Präsidenten in praktische, reale Produkte und Verfahren umzusetzen. Die Bürger sind bereit, hierfür einen Anteil von 3% ihrer jährlichen Stromrechnung, das ist ein halber Cent pro kwp, ca. € 18,-- im Jahr zu bezahlen.

Dennoch versucht der BDI in seinen Positionspapieren (www.bdi-online.de) zum EEG einseitige Industriepolitik der etablierten Unternehmen zu betreiben. Der Staat hatte früher mit hohen Subventionen die alten Industrien jahrzehntelang unterstützt, sei es bei Werften, Kohle oder Stahl. Der Staat hat durch das EEG erreicht, dass keine Subventionen fließen müssen, sondern die Bürger über den Strompreis die Innovationen und Techniken der Zukunft mitbezahlen. Niemand hätte was dagegen, wenn die Industrie dies selbst massiv tun würde.

Durch das EEG fließt das Geld aber nicht zu den Stromkonzernen, sondern in die Taschen der Bürger, die solche Anlagen bauen. Die Marktwirtschaft hat nun mal die Eigenschaft, dass bei technologischem Wandel neue Wettbewerber auf den Markt treten, wenn die bisherigen Unternehmen sich nicht mitwandeln.


Wir müssen das Wissenspotential schöpfen, Innovationen fordern und fördern.


Wenn in den nächsten Jahren hunderttausende von Bürger-Unternehmern als Marktteilnehmer auftreten, die gar keinen Strom mehr von der Industrie brauchen, ist das in den Augen des BDI und der interessierten Industriekreise wie das Öffnen der „Büchse der Pandora“. Man sollte Verständnis haben, wenn die Stromkonzerne Angst davor haben. Strom, den man nicht selbst verkaufen kann, bringt keinen Gewinn.

Energie ist aber nicht nur ein rein ökonomisches Thema. Wie Energie erzeugt wird, ist für die Menschheit eine zentrale Frage aus ökologischer und sozialer Sicht. Nachhaltige Marktwirtschaft wird eine zentrale Aufgabe moderner Politik sein.


Diese Kolumne (Folge 6) wurde für das Bürgerprojekt Photovoltaik von Dietmar Helmer geschrieben.

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